Wissenschaftler: T-Rex hatte eine „Klimaanlage“ in seinem Kopf

Jedes Kind kennt den berüchtigten Tyrannosaurus Rex. Eine seltsame Entdeckung in seinem Schädel stellt jedoch unser bisheriges Bild dieses riesigen Raubsauriers infrage.

Wissenschaftler: T-Rex hatte eine „Klimaanlage“ in seinem Kopf, Geschichte, Paläontologie, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Ein grafisches Wärmebild des Tyrannosaurus Rex. Der Bereich auf seiner Stirn leuchtet besonders hell und kann viel Wärme abgeben, Bild: University of Missouri

Hier einige spannende Fun Facts: Wusstest du, dass das Gehirn eines menschlichen Babys größer ist als das der meisten ausgewachsenen Dinosaurier? Es gab selbstverständlich viele wirklich große Exemplare, aber die allermeisten Urzeitechsen waren winzig. Wusstest du, dass Dinosaurier 660 Mal länger existierten als wir Menschen? Vor 65 Millionen Jahren machte ein riesiger Asteroid den Dinos dann letztendlich „den Gar aus“ und ermöglichte Säugetieren ihren evolutionären Aufstieg.

Und nun zum Star unseres heutigen Artikels: Wusstest du, dass ein T-Rex bis zu 26,5 Liter „Rotz“ in seiner Nase hatte? Der Paläontologe Larry Witmer, der im Folgenden noch eine Rolle spielen wird, berechnete das Volumen der Nebenhöhlen dieses Urzeitgiganten. Was bei einem Nieser des Dinosauriers an „Schnodder“ rauskam, muss ebenfalls „gigantisch“ gewesen sein.

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Der Tyrannosaurus Rex hatte vielleicht das stärkste Gebiss im gesamten Tierreich, Bild: Marten van Dijl

Was macht den T-Rex so außergewöhnlich?

Wissenschaftler haben die fossilen Überreste von über 50 ausgewachsenen Exemplaren dieses Dinosauriers entdeckt. Paläontologen sind sich sicher, dass der Tyrannosaurus Rex bis zu sechs Meter hoch und 13 Meter lang werden konnte. Sein Gewicht betrug bis zu sechs Tonnen. Forscher vermuten, dass der T-Rex nachtaktiv und als Einzelgänger unterwegs gewesen ist. Ein ausgewachsener Tyrannosaurus scheint nach heutigem Kenntnisstand keine natürlichen Feinde mehr gehabt zu haben, außer vielleicht Artgenossen. Das Riesenreptil konnte angeblich bis zu 30 Jahre alt werden.

Es bleiben aber noch Fragen offen. Sein bevorzugter Lebensraum und die Farbe seiner Haut sind bis heute nicht restlos geklärt, ebenso wie die Gelegegröße, Paarungszeit, Verbreitung oder ursprüngliche Herkunft. Die jüngste Diskussion um diese Kreatur mag bei manchen vielleicht für ein Schmunzeln sorgen.

Ein ungelöstes Rätsel

Beim Betrachten der Fossilien eines ausgewachsenen Tyrannosaurus fallen zwei seltsame Löcher in seinem Schädeldach auf. Die zwei tiefergelegenen Öffnungen sind offensichtlich die Augenhöhlen des Tieres, aber welchen Zweck hatten die anderen beiden?

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Das guterhaltene Fossil eines T-Rex in Naturkundemuseum in Chicago. Hier sind die beiden Löcher auf der Stirn des Dinosauriers gut zu erkennen. Bild: Wikimedia Commons

Einige Wissenschaftler der University of Missouri, der Ohio University und der University of Florida schrieben in einer Studie der „American Association for Anatomy“, dass sich in diesen mysteriösen Öffnungen im Schädel möglicherweise Muskeln befanden, die den Kiefer des Dinosauriers kontrollierten. Wahrscheinlich hatte der T-Rex die stärkste Bisskraft im gesamten Tierreich. Es gibt jedoch auch eine andere Theorie.

Ein „Thermostat“ im Kopf

Die Wissenschaftler Casey Holliday (Prof. MU School of Medicine), Kent Vliet (Koordinator des Labors der Biologieabteilung der University of Flordia) und Larry Witmer (Prof. für Anatomie am Heritage College für Osteopathische Medizin der Ohio University) plädieren dafür, dass es sich bei diesen Löchern im Schädel des Dinosauriers um ein Kühlzentrum zur Temperaturkontrolle, also mit anderen Worten um eine Art „Klimaanlage“ handelt.

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Ein grafisches Wärmebild, Bild: University of Missouri

Gegen die erstgenannte Muskeltheorie spricht in diesem Fall der Mangel an „osteologischen Korrelaten“, die eine Muskelanhaftung an den betreffenden Stellen im Knochen widerspiegeln. Es gibt also keine heute sichtbaren Spuren, die darauf hinweisen, dass sich in den Löchern einst tatsächlich Muskeln befanden. Es scheint jedoch Hinweise darauf zu geben, dass in der „Fossa frontopparietalis“ große Gefäßstrukturen und Fettgewebe zu finden waren.

Ein Vergleich mit den heute lebenden Verwandten des T-Rex

Um ihre Hypothese zu überprüfen, mussten die Wissenschaftler die heute lebenden Verwandten des Tyrannosaurus Rex untersuchen. Sie reisten in den Zoologischen Park der Alligator Farm in Florida, wo sie die Schädel der Tiere mithilfe von Wärmebildgeräten analysierten.

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Dieses Wärmebildgerät wandelt die Körperwärme der Alligatoren in sichtbares Licht um, Bild: University of Missouri

Es stellte sich heraus, dass Alligatoren, Krokodile und andere Reptilien ein sogenanntes Querstrom-Kreislaufsystem haben, mit dem sie ihre innere Körpertemperatur nach Belieben steuern können. Sie besitzen ebenfalls zwei Löcher in der Stirn, die denselben Gefäßapparat wie der Tyrannosaurus Rex beherbergen. Es ist also wahrscheinlich, dass der Dinosaurier die gleichen anatomischen Fähigkeiten hatte.

„Die Körperwärme eines Alligators hängt von seiner Umgebung ab. Wenn es kühler ist und die Alligatoren versuchen, sich aufzuwärmen, zeigte unsere Wärmebildtechnik große helle Stellen an diesen Löchern im Schädeldach, was auf einen Temperaturanstieg hinweist. Doch später am Tag, wenn es wärmer ist, erscheinen die Löcher dunkel, als ob sie ausgeschaltet sind, um kühl zu bleiben. Dies steht im Einklang mit den bisherigen Erkenntnissen, dass Alligatoren ein Querstrom-Kreislaufsystem – oder sozusagen einen internen Thermostat – haben.“

Kent Vliet, Koordinator des Labors der Biologieabteilung der University of Flordia

Organische Klimaanlagen

Weil eine „organische Klimaanlage“ so komisch ist wie sie klingt, haben Wissenschaftler auch so lange gebraucht, um diese Verbindung herzustellen. Es hat ebenfalls viele Jahre gedauert, bis Forscher die Ähnlichkeit zwischen Dinosauriern und Vögeln erkannt haben. Jetzt scheint die frühere Muskeltheorie endgültig widerlegt zu sein.

„Es wäre wirklich seltsam, wenn ein Muskel aus dem Kiefer kommt, sich um 90 Grad dreht und über die Schädeldecke verläuft. Wir haben jetzt jedoch viele überzeugende Beweise für Blutgefäße in diesem Bereich, basierend auf unserer Arbeit mit Alligatoren und anderen Reptilien.“

Casey Holliday, Prof. MU School of Medicine

„Wir wissen, dass Alligatoren ähnlich wie T-Rex Löcher auf dem Schädeldach haben – und diese sind mit Blutgefäßen gefüllt. Doch seit über 100 Jahren verbinden wir Dinosaurier mit Muskeln, wenn wir an diese spezifische Stelle denken. Indem wir etwas Anatomie und Physiologie aktueller Tiere anwenden, können wir jedoch zeigen, dass diese frühen Hypothesen über den Bau dieses Teils des Schädels des T-Rex falsch waren.“

Larry Witmer, Professor für Anatomie am Heritage College of Osteopathic Medicine der Ohio University

Und wieder sehen wir, dass es noch viele Geheimnisse aus der Welt der Dinosaurier zu lüften gibt. Es bleibt also spannend, welche Rätsel die Paläontologen und zahlreichen weiteren Wissenschaftler in diesem Gebiet in den nächsten Jahrzehnten lösen werden.


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