Wie ein Hai: Diesem Raubsaurier wuchsen ständig neue Zähne nach

Bei seiner Lebensweise brauchte Majungasaurus diese aber auch! Wissenschaftler vermuten, dass er ein knochenfressender Kannibale gewesen ist.

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Majungasaurus hatte einen kurzen und kräftigen Kopf, viele scharfe Zähne und einen starken Biss. Das Horn auf seiner Stirn diente womöglich dem Kampf mit Artgenossen. Bild: Nobu Tamura

Majungasaurus lebte vor 70 Millionen Jahren (Kreidezeit) auf dem Gebiet des heutigen Madagaskar. Von der Nasen- bis zur Schwanzspitze konnte diese Riesenechse bis zu acht Meter lang werden und ganze 1,5 Tonnen wiegen. Das Tier ging auf zwei Beinen, die jedoch im Vergleich zur Körpergröße relativ klein waren. Paläontologen schlussfolgern deshalb, dass Majungasaurus nicht in der Lage gewesen ist schnell zu laufen.

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Das Skelett eines Majungasaurus, Bild: cleanpng

Fleischfressende Dinosaurier brauchten ein kräftiges Gebiss und scharfe Zähne, um ausreichend Beute erlegen zu können. Tyrannosaurus Rex konnte beispielsweise selbst dicke Knochen zerbeißen, sowie Fleisch und Sehnen leicht durchtrennen. Seine Zähne nutzten sich dementsprechend ab, weshalb dem T-Rex und den meisten anderen Raubsauriern im Laufe ihres Lebens Zähne auch wieder nachwuchsen.

Umfangreiche Zahnanalysen

Dr. Michael D‘Emic von der Adelphi University in New York untersuchte gemeinsam mit seinem Team, wie und vor allem wie oft Majungasaurus, Allosaurus und Ceratosaurus ihre Zähne nachwachsen lassen konnten. Die Ergebnisse veröffentlichten Sie im Rahmen einer Studie in der Zeitschrift PLOS ONE.

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Ergebisse der Computertomographie (CT) und Zahnschmelzanalyse der Zähne von (a) & (f) Allosaurus, (b) & (e) Ceratosaurus und (c) & (d) Majungasaurus, Bild: Dr. Michael D‘Emic

Die Forscher analysierten die feinen Schichten im fossilen Zahnschmelz. Diese Schichten ähneln den Jahresringen von Bäumen. Es stellte sich heraus, dass der Majungasaurus im Gegensatz zu Bäumen täglich eine neue Schicht aus Zahnschmelz bildete. Zusätzlich dazu suchten die Wissenschaftler noch nach weiteren Hinweisen für nachwachsende Zähne. Sie benutzten beispielsweise die Computertomographie (CT), um noch nicht durchgebrochene Zähne in den versteinerten Kiefern sichtbar zu machen.

„Ich hoffe, dass dieses Projekt mehr Menschen dazu anspornt, andere Arten zu untersuchen. Ich wette, das wird weitere Überraschungen ans Tageslicht bringen. Und hoffentlich führt dies zu einem besseren Verständnis dafür, wie sich Dinosaurier entwickelt haben, damit sie so lange erfolgreich sein konnten.“

Dr. Michael D‘Emic, Forscher an der Adelphi University und der Stony Brook University, New York
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Das Größenverhältnis Mensch – Majungasaursus (durchschnittliches ausgewachsenes Exemplar), Bild: Matt Martyniuk

Alle zwei Monate ein neuer Zahn

Das Ergebnis der umfangreichen Zahnanalysen war sehr überraschend! Majungasaurus bricht beim Thema „Zahnwechsel“ sämtliche Rekorde. Dieser Raubsaurier war tatsächlich in der Lage alle 56 Tage, also etwa alle zwei Monate, einen neuen Zahn auszubilden. Das bedeutet, seine Zähne wuchsen bis zu 13 Mal schneller nach, als bei jedem anderen fleischfressenden Dinosaurier. Der Tyrannosaurus Rex benötigte für einen neuen Zahn mehrere Jahre.

Ein knochenfressender Kannibale

Seine außergewöhnliche Lebensweise erklärt wahrscheinlich, warum Majungasaurus so schnell neue Zähne brauchte. Wissenschaftler vermuten, dass er ein Knochenfresser war und sogar Artgenossen zu seiner Beute gehörten.

„Es gibt unabhängige Belege in Form von Kratzern und Kerben an den fossilen Knochen seiner Beutetiere, aber auch an den Knochen von Artgenossen, die dafür sprechen. Sie passen in Größe und Abständen zu denen von Majungasaurus.“

Dr. Michael D‘Emic, Forscher an der Adelphi University und der Stony Brook University, New York
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Eine grafische Darstellung des Majungasaurus, Bild: deacademic

Zu wenig Nährstoffe für stabile Zähne

Bei seinem Fressverhalten benötigte Majungasaurus eine große Anzahl bestimmter Nährstoffe, um starke und stabile Zähne auszubilden. Diese hatte der Raubsaurier laut Dr. D‘Emic jedoch nicht. Dafür setzte das Tier auf schnelles Zahnwachstum. Die Zähne selbst waren nicht besonders stark und robust.

Die Profis im „Zähnewachsen“

Es gab allerdings auch pflanzenfressende Dinosaurier, die ihre Zähne vergleichbar schnell nachbilden konnten. Die sogenannten „breitzahnigen Sauropoden“ schliffen ihre Zähne durch das Kauen von hartem Pflanzenmaterial förmlich ab und benötigten deshalb ständig neue Kauwerkzeuge.

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Das sogenannte „Revolvergebiss“ eines Hais: Wenn der Raubfisch einen Zahn verliert, „klappt“ der nächste einfach nach. Bild: WDR

Heute denken wir bei schnell nachwachsenden Zähnen an Haie, die ebenfalls ein rasantes Tempo an den Tag legen. Bei Haifischen schiebt der Kiefer stetig neue Zahnreihen nach vorne. Bei Nagetieren wachsen die sich schnell abnutzenden Schneidezähne auch kontinuierlich nach. Sogar die Backenzähne von Elefanten erneuern sich insgesamt bis zu siebenmal im Laufe ihres Lebens.


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