Wie ein Alchemist die Kriegskunst revolutionierte

Goldmacher, Wunderheiler oder einfach nur Scharlatane? Obwohl Alchemisten in vielen Fällen einfach nur Betrüger waren, gelangen ihnen dennoch wichtige Zufallsfunde, die die Welt verändert haben.

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Pieter Bruegel der Ältere. Der Alchemist (1558) als Kupferstich von Philipp Galle

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit waren Alchemisten in aller Munde. Diese Gelehrten sollen in der Lage gewesen sein unedles Metall in pures Gold zu verwandeln, lebensverlängernde Elixiere herzustellen und sogar das Geheimnis der Unsterblichkeit zu kennen. Es liegt auf der Hand, dass Fürsten, Könige und Kaiser ihre eigenen Hof-Alchemisten an ihrer Seite hatten. Der Adel bezahlte gut für die Entschlüsselung von „göttlichen Geheimnissen“ und Erkenntnissen über die vermeidliche Beschaffenheit des Universums.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Leider gelang es wohl keinem einzigen Alchemisten wirkliches Gold herzustellen oder das Alter zu besiegen. Nicht selten betrogen und tricksten die „Hof-Zauberer“, indem sie kleine Goldklümpchen in ihren Ärmeln versteckten, um sie nach einer chemisch-erzeugten Explosion ins Reagenzglas fallen zu lassen. Flog ihr Schwindel auf, so bezahlten die falschen Magier nicht selten mit ihrem Leben.

Erstaunliche Zufallsfunde

Allerdings sind den Alchemisten einige bedeutende Entdeckungen zu verdanken. Die meisten dieser Entdeckungen und Erfindungen geschahen jedoch ganz durch Zufall. So wurde das Porzellan von chinesischen Alchemisten erfunden, noch lange bevor es in Europa auf dem gleichen Weg zutage kam. Außerdem wurden erste fundamentale Erkenntnisse in der Chemie gewonnen, welche unsere moderne Chemie und Naturwissenschaft erst ermöglichten.

Ein weiterer Fall von alchemistischem Finder- und Erfinder-Glück ist der des Henning Brand. Er lebte im 17. Jahrhundert in Hamburg und versuchte damals Gold auf Basis von Urin herzustellen. Nach dem teuren Edelmetall verzehrten sich die Menschen schon seit der Antike. Dafür erhitzte und destillierte er den Urin stundenlang. Nach damaliger Auffassung war der menschliche Körper das Spiegelbild des Universums. Alles, was im Universum enthalten ist, muss auch im Mikrokosmos des Menschen zu finden sein. Da Urin von gold-gelblicher Farbe ist, vermutete Brand dort das Edelmetall zu finden.

Doch was nach der langen und geruchsintensiven Prozedur vom Urin übrig blieb, ist kein Gold gewesen. Denn dieser Stoff begann an der Luft Feuer zu fangen. Ohne es zu wissen hatte Brand das Element Phosphor entdeckt. Er nannte es von nun an „kaltes Feuer“. Später bekam es den Namen „phosphorus“, was sich von dem griechischen Wort „Lichtträger“ ableitet.

Das Ende des Mittelalters

Die Entdeckung des Phosphors machte Brand zu einem wohlhabenden Mann. Seine Dienste wurden von vielen Adeligen der damaligen Zeit in Anspruch genommen. Mit seinem Wissen revolutionierte Brand die Kriegskunst. Phosphor war von nun an ein Bestandteil von vielerlei Feuerwaffen und explosiven Geschützen. Mit der Zeit verloren das Schwert und die Armbrust zunehmend an Bedeutung. Der Weg wurde für frei für Kanonen und Musketen.


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