Spanien: Dürre legt 5.000 Jahre alte Megalithen frei

Der Juni dieses Jahres war für Spanien der dritttrockenste des Jahrhunderts. Was ein großes Problem für die Landwirte darstellte, sollte ein Glück für die Archäologen werden.

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Der Dolmen von Guadalperal, Bild: Wikimedia Commons

Die vier Monate andauernde Dürre hat den Wasserspiegel des Stausees Valdecañas in der Region Extremadura erschreckend sinken lassen. Die Trockenheit offenbarte jedoch einen 4.000 bis 5.000 Jahre alten Steinkreis aus Megalithen, der seit der Flutung des Gebietes während der Franco-Herrschaft verloren gegangen war.

Der „Dolmen von Guadalperal“, wie das Bauwerk auch genannt wird, stammt aus der Kupferzeit, manche datieren ihn jedoch auf die Steinzeit. Die Megalithen wurden in den 1920er Jahren an den Ufern des Rio Tajo entdeckt. Doch als der Fluss in den 60ern gestaut wurde, entstand ein großer See, der den Steinkreis flutete. Seit dem waren die Megalithen nicht mehr zugänglich. Gelegentlich ragten die Spitzen der großen Steine bei niedrigem Wasserstand etwas heraus. Im Jahr 2019 war die gesamte Anlage seit Jahrzehnten zum ersten Mal wieder vollständig sichtbar.

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Luftaufnahme der rundförmigen Megalithanlage an den Ufern des Stausees, Bild: 1080 Wildlife Productions

Spaniens „Stonehenge“

Es ist heute unklar welchem Zweck das Bauwerk aus insgesamt 144 Megalithen ursprünglich diente. Einige der Steine sind bis zu zwei Meter hoch und weisen Gravuren von Schlagen auf. Die Megalithen sind kreisförmig angeordnet und erinnern an Stonehenge.

Es gibt jedoch auch einige Unterschiede, wenn beide Megalithbauten miteinander verglichen werden. Stonehenge war ein Sonnentempel und eine Begräbnisstätte. Die Anlage am Rio Tajo „scheint eine Art Handelszentrum gewesen zu sein“, so Angel Castaño, Präsident des Kulturvereins „Raíces de Peralêda“ (Wurzeln von Peralêda). Einige persönliche Gegenstände, die bei den Steinen gefunden wurden, könnten jedoch auch auf Bestattungsrituale hindeuten. Wenn es einst menschliche Überreste oder größere Grabbeigaben gegeben hat, so wurden diese allerdings vermutlich von den Fluten weggeschwemmt oder von Grabräubern gestohlen.

Für Castaño haben die eingemeißelten Schlangen eine besondere Bedeutung: „Sie sind wie Drachen, die einen Schatz beschützen, die Hüter der heiligen Zone.“ Die Megalithanlage scheint einst ein religiöses und wirtschaftliches Zentrum am Rio Tajo gewesen zu sein. Wahrscheinlich haben die Kelten das Monument vor etwa 5.000 Jahren errichtet.

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Aufnahmen, die den Wasserrückgang dokumentieren, Bild: Sciencealert

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Nun versuchen Forscher diese bedeutende archäologische Entdeckung zu bewahren. Es zeichnen sich jedoch Probleme ab. Bald werden die Wasser des Stausees wieder steigen und das Bauwerk erneut unter den Fluten begraben. Castaño erklärt, dass jetzt schnell gehandelt werden müsse. „Sie (die Steine) sind bereits porös und weisen Anzeichen von Erosion auf, es könnte bereits zu spät sein“, so der Forscher.


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