Skelett eines über 2 Meter großen „Höllenhundes“ nahe mittelalterlichem Kloster gefunden

Seit dem Mittelalter ranken sich düstere Legenden und Mythen um riesige schwarze Höllenhunde, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen. Ein Fund aus England haucht diesen alten Geschichten neues Leben ein.

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Aufnahmen der archäologischen Ausgrabung, Bild: Medium

Im britischen Volksmund nannte man so einen furchterregenden Hund „Black Shuck“, was übersetzt soviel wie „schwarzer Dämon“ bedeutet. Jetzt wurden in der Nähe der Abtei von Leiston, einem mittelalterlichen Kloster in Suffolk (England), die Überreste eines über 2 Meter (von Vorder- bis Hinterpfote) großen Hundes gefunden, der definitiv als „Black Shuck“ gegolten haben könnte.

Nach einer veterinär-medizinischen Untersuchung der Überreste wurde klar, dass der Hund fast 100 Kilogramm gewogen haben muss. Archäologen fanden den „Monster-Hund“ in einem etwa 500 Jahre alten namenlosen Grab, etwa 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Im Grab selbst konnten auch Keramikfragmente sichergestellt werden.

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Die Ruinen der Abtei in Leiston – Der Fundort des Hundeskeletts, Bild: Meleah Reardon

Ein Hund mit einer langen Geschichte

Obwohl es durchaus Hunderassen gibt, die solch eine Körpergröße erreichen können, bleibt dieser Fund aus soziokultureller Sicht interessant. Dem „Black Shuck“ wurden etliche Gräueltaten zur Last gelegt. Er sei ein Vorbote des Todes gewesen.

Eine lokale Folklore berichtet von einem brutalen Sturm am 4. August 1577 in der Holy Trinity Church in Blythburgh, die sich nur etwa 10 Kilometer von der Leiston Abtei befand. Die Bewohner flüchteten sich zu ihrem Schutz in die Kirche, doch auch die massiven Holztüren konnten den „Höllenhund“ nicht aufhalten. Es heißt, der Donner hätte die Tür eingeschlagen und die knurrende Bestie brach in die Kirche ein. Sie forderte das Leben eines Mannes und eines Jungen. Der riesige Hund hinterließ Brandmarken seiner Krallen an der Eingangstür der Kirche. Diese seien noch heute zu sehen, so die Legende.

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Der Zeitzeuge Abraham Fleming hält die Nacht des 4. August 1577 schriftlich fest, Bild: Wikimedia Commons

„Dieser schwarze Hund oder der Teufel in einer solchen Gestalt (Gott kennt sie alle) rannte den ganzen Corpus der Kirche mit großer Geschwindigkeit und unglaublicher Hast entlang, unter den Menschen in einer sichtbaren Form und Gestalt hin zu zwei Personen, als sie auf den Knien knieten und im Gebet, wie es schien, beschäftigt waren, er riss ihnen die Hälse in einem Augenblick sauber rückwärts ab, so sehr, dass sie sogar in dem Moment, in dem sie knieten, seltsam starben.“

„A Straunge and Terrible Wunder“ von Abraham Fleming, 1577

Und obwohl der „Black Shuck“ sogar als Teufel beschrieben wurde, fand man seine Überreste ausgerechnet auf heiligem Boden. Es sind also längst nicht alle Geheimnisse gelüftet. Eine Radio Carbon Datierung ergab, dass der Hund auch tatsächlich aus dem 16. Jahrhundert stammte, also aus der Zeit, in der Ostanglien vom berühmten Höllenhund heimgesucht wurde.

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Moderne Darstellung eines „Höllenhundes“, Bild: Medium

Von mittelalterlichen Manuskripten auf die Kinoleinwand

Heute wurden Rocksongs, lokale Clubs und Antiquitätengeschäfte nach dem riesigen schwarzen Hund aus den zahlreichen uralten Legenden benannt. Im Allgemeinen werden große schwarze Hunde gerne in der modernen Popkultur aufgenommen und begeistern Romanleser und Kinobesucher auf der ganzen Welt.

„Die Geschichte vom Black Shuck muss von irgendwoher stammen. Und wer weiß? Sie könnte von dem Hund stammen, der hier begraben wurde.“

Brendon Wilkins, Projektleiter von Dig Ventures

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