Seit 20.000 Jahren unberührt: Wasser aus der Eiszeit

Normalerweise suchen Eiszeitforscher im Permafrost nach den Überresten von großen Säugetieren. Doch dieser Fund ist anders! Er könnte noch mehr Aufschluss über das Ende der letzten großen Eiszeit geben.

Seit 20.000 Jahren unberührt: Wasser aus der Eiszeit gefunden, Naturkunde, Indien, Asien, Geschichte, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Wasser unter dem Mikroskop, Bild: iStock/Getty Images Plus

Vor 20.000 Jahren wären die Städte New York City, Berlin und Peking im meterdicken Eis versunken. Riesige Gletscher bedeckten große Teile Nordamerikas, Nordeuropas und Asiens. Aber es war auch das Ende einer etwa 100.000 Jahre andauernden Eiszeit. Diese Periode wird das „Letzteiszeitliche Maximum“ (engl. Last Glacial Maximum, LGM) genannt.

Womöglich der letzte Fund dieser Art

Viele Wissenschaftler widmen sich ausschließlich der Erforschung dieser kalten Erdepoche. Sie sammeln Informationen, indem sie Korallenfossilien oder Meeresbodensedimente aus der Zeit untersuchen. Nun haben Meeresforscher etwas entdeckt, was womöglich alles andere auf diesem Gebiet in den Schatten stellt. In einer alten Felsformation im Indischen Ozean konnte eine Probe von etwa 20.000 Jahre altem Meerwasser sichergestellt werden.

Es handelt sich hier um einen direkten und unberührten Überrest des Indischen Ozeans aus der letzten Eiszeit. Es ist der erste und vielleicht sogar letzte Fund dieser Art. Zurzeit werden die Proben intensiv untersucht. Die Ergebnisse sollen in der Juli-Ausgabe 2019 in der Zeitschrift „Geochimica et Cosmochimica Acta“ veröffentlicht werden.

Seit 20.000 Jahren unberührt: Wasser aus der Eiszeit gefunden, Naturkunde, Indien, Asien, Geschichte, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Assistenzprofessorin Clara Blättler mit einem Fläschchen Meerwasser aus der letzten Eiszeit, Bild: Jean Lachat

Uraltes Wasser im Gestein eingeschlossen

Die erstaunliche Entdeckung gelang den Forschern, als sie Sedimentkernproben aus Unterwasserkalkablagerungen bohrten, aus denen beispielsweise auch die Malediven in Südasien bestehen. Nachdem der Bohrkern ins Labor transportiert wurde, konnte dieser in dünne Scheiben geschnitten werden. Eine hydraulische Presse drückte im letzten Schritt die restliche Feuchtigkeit aus den Poren des Kalkes.

Bei der Analyse der ausgepressten Wasserproben stellte sich heraus, dass sich das Wasser aus dem Stein maßgeblich von dem Wasser des heutigen Indischen Ozeans unterschied. Die eingeschlossene Flüssigkeit stammte aus einer Zeit, in der der Ozean noch wesentlich salziger, kälter und chlorierter war. Diese Faktoren führen zu dem Schluss, dass die Wasserprobe aus der letzten Eiszeit stammen muss, als die großen Eisdecken den Meeresspiegel hunderte Meter unter dem heutigen Niveau hielten.

„Nach allen Anzeichen ist es ziemlich klar, dass wir jetzt ein tatsächliches Stück dieses 20.000 Jahre alten Ozeans haben.“

Clara Blättler, Studienleiterin und Assistenzprofessorin für geophysikalische Wissenschaften, Universität von Chicago

Großer Schritt für die Klimaforschung

Für die Wissenschaft dürfte dies ein wichtiger Durchbruch sein. Nun könnte genau untersucht werden, wie der Ozean auf die geophysikalischen Schwankungen der letzten Eiszeit reagiert hat. Dies würde zum besseren Verständnis der aktuellen Klimaforschung beitragen und Klimamodelle erweitern. Um die Zukunft vorauszusagen, muss zuerst die Vergangenheit verstanden werden.


Unser Buchtipp zum Artikel: „Das Eiszeitalter“ hier bei Amazon anschauen: