Samurai-Schatz: Riesiger Keramikkrug mit über 100.000 Bronzemünzen entdeckt

Nördlich von Tokio haben Archäologen einen der größten mittelalterlichen Münzschätze ganz Japans sichergestellt. Die Bronzemünzen waren in einem ehemaligen Samurai-Wohnhaus aus dem 15. Jahrhundert vergraben.

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Eine Aufnahme während der archäologischen Ausgrabungen, Bild: Saitama Cultural Deposits Research Corporation

Manchmal ist Archäologie tatsächlich eine Schatzsuche. In Saitama, der jüngsten Millionenstadt Japans, nördlich von Tokio, machten Archäologen nun eine wirklich erstaunliche Entdeckung: In einem riesigen Keramikkrug, der aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt und einen Durchmesser von ca. 60 Zentimetern hat, befanden sich mehr als 100.000 Bronzemünzen.

Einer der größten japanischen Münzschätze des Mittelalters

Laut dem Archäologen Yoshiyuki Takise von der „Saitama Cultural Deposits Research Corporation“ wurden viele der Münzen ursprünglich in China hergestellt. Ihr Fundort lasse vermuten, dass sie ein Opfer für die Gottheit der Erde gewesen sein könnten oder einfach zur Aufbewahrung vergraben wurden, so Takise.

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Diese zahlreichen Münzen stammen nicht nur aus Japan. Es könnten sogar deutlich mehr Geldstücke sein, als bisher angenommen. Bild: Shoichi Tanaka

Der große Keramikkrug war mit einem massiven Steindeckel verschlossen. Außerdem entdeckten die Wissenschaftler noch eine Holztafel mit der in Tinte verfassten Aufschrift „Nihyaku Rokuju“, was übersetzt „260“ bedeutet. Archäologen gehen davon aus, dass sich die Zahl auf je 1.000 Einheiten bezieht. Das entspräche eine Gesamtsumme von 260.000 Münzen im Krug.

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Bisher wurde nur ein Bruchteil des Schatzes genauer erforscht. Weitere Untersuchungen werden zu neuen Erkenntnissen führen. Bild: Shoichi Tanaka

Bisher wurden 70 Münzen genauer untersucht. Sie waren auf einer Schnur zusammengebunden. Unter ihnen befanden sich insgesamt 19 unterschiedliche Münztypen aus China und verschiedenen Teilen Japans. Wahrscheinlich waren alle Münzen, die ein Loch in der Mitte aufweisen, einst auf einer Schnur aufgefädelt.

Obwohl der Krug selbst vermutlich aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt, gehen Forscher davon aus, dass der Schatz erst rund 50 Jahre später vergraben wurde. Grund dafür sei die Zuspitzung der politischen Lage gewesen.

Mittelalterliches Japan: Warlords, Ninjas und Bürgerkrieg

Der wertvolle Münzschatz befand sich laut Medienberichten ganze sechs Meter unter der Erde. Vieles deutet darauf hin, dass der im darüber gelegenen Haus wohnhafte Samurai seinen Besitz schützen wollte. Im Japan des 15. Jahrhunderts herrschten schwierige Zeiten. Zu Beginn des Jahrhunderts brach ein Bürgerkrieg aus und das politische Amt des Kaisers war schwach. Das Land wurde faktisch von Militärdiktatoren, den sogenannten „Shōgunen“ regiert.

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Minamoto no Yoritomo, der erste Shōgun des Kamakura-Shōgunats (1192–1333), Bild: Public Domain

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kämpften verschiedene Familien um die Macht, was nur zu mehr Gewalt im Land führte. Feudalherren, die sogenannten „Daimyō“ stellten nun die Autorität der Shōgune infrage. Es ist die Zeit, in der zunehmend Ninjas angeheuert wurden, um Attentate zu verüben.

Wer in so einer Ära voller Gewalt und Instabilität lebt, wird versuchen seine Habe zu bewahren. Es ist daher durchaus plausibel, dass ein Samurai Bronzemünzen unter seinem Haus vergräbt.

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Kamei Koremi, ein Daimyō während der Bakumatsu-Zeit (1853-1867), Bild: Public Domain

Da erst ein Bruchteil des Schatzes untersucht wurde und nicht wirklich klar ist um wie viele Münzen es sich tatsächlich handelt, werden die Wissenschaftler mit der Zeit sicherlich zu weiteren Erkenntnissen gelangen. Es bleibt also spannend!


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