Mysteriöse Steintafel mit unbekannten Symbolen und Parallelen zu anderen Kulturen

Eine antike Steintafel bringt die Forscher ins Grübeln. Die zahlreichen Symbole auf dem Fundstück konnten bisher nicht entziffert werden. Sie zeigen jedoch bei genauerem Hinsehen erstaunliche Parallelen zu anderen Kulturen. Es könnte sich hierbei sogar um die früheste Schriftform auf der Iberischen Halbinsel handeln.

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Die antike Steintafel aus Südspanien, Bild: Leonardo García Sanjuán und Marta Díaz-Guardamino / Antiquity 2017

Die 1,5 Meter hohe und 85 Zentimeter breite Stele wurde 2002 von einem Bauern im südlichen Spanien entdeckt, als er sein Feld bearbeitete. Dieser schenkte dem merkwürdigen Artefakt jedoch wenig Aufmerksamkeit und warf es sogleich den Rand seines Feldes. Erst zwei Jahre später bemerkten Ranger, dass es sich hier um etwas wirklich Außergewöhnliches handeln könnte und brachten die Steintafel ins Montoro Archeological Museum. Dort lag der Fund weitere acht Jahre im Archiv, bis genauere Untersuchungen stattfanden.

Ähnlichkeiten mit anderen Kulturen auf der ganzen Welt

Die „Stele von Montoro“, wie diese antike Steintafel auch genannt wird, birgt eine ausgeprägte Symbolik auf ihrer Oberfläche, bestehend aus Linien und auffallend vielen kreisförmigen Zeichen. Die Symbolik ähnelt beispielsweise dem sogenannten „Cochno Stein“ aus Schottland. Auch hier finden sich die markanten kreis- und ringförmigen Zeichen wieder. Bei dem „Cochno Stein“ handelt es sich ebenfalls um eine antike Steintafel, die mindestens 5.000 Jahre alt ist.

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Ringförmige Symbole auf dem Cochno Stein, Bild: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Scotland

Wissenschaftler glauben, dass die Stele von Montoro aus dem 3. Jahrhundert vor Christus stammt und verschiedene Elemente der spanischen, iberischen, griechischen, kanaanitischen und südarabischen Sprache enthält. Es handelt sich hier also um einen wahren Schmelztiegel unterschiedlichster kultureller Einflüsse. Laut Cambridge Antiquity fand diese Art von Symbolen vorwiegend zwischen dem 9. und dem 3. Jahrhundert vor Christus Verwendung, also zum Teil noch in der Steinzeit.

Doch die Parallelen zu anderen weit entfernten antiken Kulturen reichen noch tiefer. Es ist bemerkenswert, dass beispielsweise die amerikanischen Ureinwohner ebenfalls sehr ähnliche Symbole verwendeten und diese in eine Vielzahl von Steinen in ihrer Umgebung einprägten. Wie entstehen solche verblüffenden interkontinentalen Gemeinsamkeiten?

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Antike Petroglyphen der Mogollon-Kultur im Südwesten Nordamerikas, Bild: Wayne Snuggs

Wissenschaftler schlussfolgerten aus ihren Untersuchungen, dass „die Symbole der Stele von Montoro Elemente aus nordöstlichen paläo-hispanischen Schriften, graeco-iberischen, proto-sinaitischen, proto-kanaanitischen, epigraphisch-südarabischen und phönizischen Schriften enthält.“

Untersuchungen führen zu weiteren Fragen

Erst im Jahr 2012 fand eine umfassende Untersuchung der Stele von Montoro statt. Analysiert wurde das mysteriöse Fundstück von Dr. Leonardo Garcia Sanjuán von der Universität von Sevilla. Er war derjenige, der feststellte, dass die Symbole auf der Stele aus verschiedenen Sprachen abstammten.

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Die Inschriften auf der Oberfläche der Montoro-Stele könnten Grapheme (kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit in einem Schriftsystem) von Schriftsystemen aus dem heutigen Syrien darstellen, Bild: Leonardo García Sanjuán und Marta Díaz-Guardamino / Antiquity 2017

„So etwas findet man selten – die Inschriften auf dieser Stele können nicht gelesen werden. Es gibt keine einzige Schrift, die dafür Sinn macht. Es scheint sich um eine Sammlung von unterschiedlichen Graphemen zu handeln, die aus verschiedenen Schriften stammen und auf diesem Stein zusammengefügt wurden.“

Dr. Leonardo Garcia Sanjuán gegenüber IBTimes UK

Bis heute sind die Forscher verwirrt und können hinter den Symbolen auf der Stele keine Botschaft erkennen. Dr. Sanjuán hat jedoch eine Theorie.

„Wir haben hier vielleicht Einheimische – die höchstwahrscheinlich Analphabeten waren – und die Zeichen, die sie gesehen haben oder von denen man ihnen erzählt hat, auf einem Stein nachbildeten. Die Zeichen selbst haben sie jedoch wahrscheinlich nicht verstanden.“

Dr. Leonardo Garcia Sanjuán gegenüber IBTimes UK

Warum diese Inschriften so vielen anderen auf der ganzen Welt verstreuten Symbolen ähneln und warum antike Zivilisationen diese so vehement in Stein meißelten, bleibt weiterhin ein Rätsel.


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