Leben auf der Venus? NASA erwägt neue Weltraum-Mission

Forschern zufolge scheint es Mikroben in der Venus-Atmosphäre zu geben. Die NASA will dem jetzt genauer nachgehen und stellt neue Raumfahrt-Projekte vor.

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Die Venus besitzt einen Durchmesser von rund 12.000 Kilometern und ist damit etwa so groß wie die Erde, Bild: br.de

Die Astronomin Sara Seager vom MIT präsentierte in einem Livestream der „Royal Astronomical Society“ ihre jüngsten Messungen, die darauf hindeuten, dass es Mikroben in der Atmosphäre der Venus geben könnte. Sie und ihr Team fanden nur schwer erklärbare Gasspuren in den Wolken des Planeten. Tatsächlich besitzt die Venus eine dichte Wolkendecke.

Im selben Atemzug erklärt Seager: „Wir behaupten nicht, dass wir Leben auf der Venus gefunden hätten“. Die Hypothese an sich ist bereits sehr gewagt und sorgt über Fachkreise hinaus für Aufmerksamkeit. Hier geht es nicht zuletzt um außerirdisches Leben – ein Thema, das polarisiert.

Ein ungewöhnliches Gas

In der Wolkendecke der Venus konnte Phosphin-Gas (auch Monophosphan bzw. PH₃ genannt) nachgewiesen werden, wie 19 Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Astronomy“ berichten. Dieses Gas besteht aus einem Phosphor- und drei Wasserstoffatomen. Forscher haben es mithilfe von Teleskopen nachgewiesen.

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Tatsächlich ist die Venus von einer dichten Wolkendecke umhüllt, Infrarot-Aufnahme von Damia Bouic

In der rauen Atmosphäre der Venus dürfte Phosphin-Gas jedoch nicht lange bestehen und sich rasch zersetzen. Die Konzentration des Gases war jedoch ausgesprochen hoch. Woher kommt also der stetige Nachschub? Die Wissenschaftler haben in Erwägung gezogen, dass in der dichten Wolkendecke in einer Höhe von 50 bis 60 Kilometern über der Venus-Oberfläche durchaus Mikroben leben könnten.

Bereits einen Monat zuvor war in diesem Zusammenhang in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift „Astrobiology“ von einem „Lebenszyklus“ in der „Biosphäre am Venus-Himmel“ die Rede.

Alternative Theorien

Derzeit wird viel über die Entstehung von einer so hohen Konzentration an PH₃ auf der Venus diskutiert. Alternativ wird vermutet, dass anorganische Reaktionen auf der Oberfläche, im Gestein oder in der Atmosphäre des Planeten für das Gas verantwortlich sind bzw. der Einfluss von UV-Licht, Blitzeinschlägen, Vulkanausbrüchen oder Meteoriteneinschlägen eine tragende Rolle spielt. Ob all diese Faktoren jedoch eine so bedeutend hohe Konzentration an PH₃ erzeugen können ist ungewiss.

Auf der Venus herrschen, wie Stefan Schmitt in „Die Zeit“ ganz passend formuliert, „Pizzaofentemperaturen und Tiefseedruck an der Oberfläche, Säurewolken und kosmische Strahlung in der Atmosphäre“. Die Oberflächentemperatur liegt bei 500 Grad Celsius und der Druck entspricht dem in einer Wassertiefe von einem Kilometer. Wie könnten dort also Mikroben überleben?

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So könnte die Venus-Oberfläche aussehen, Bild: Europäische Weltraumorganisation (ESA)

Doch auch auf der Erde kann „primitives Leben“ unter schwersten Bedingungen bestehen. Es wurden bereits Bakterien in der Nähe von Tiefseevulkanen, in der Atacama-Wüste und im antarktischen Meer entdeckt. Auf der Erde gibt es ebenfalls Mikroben, die PH₃ erzeugen. Sie leben beispielsweise anaerob (ohne Sauerstoff) und tief in Mooren.

„Die Umweltbedingungen dort (auf der Venus) sind sehr, sehr extrem. Auf der anderen Seite hat uns Leben schon mehrmals überrascht. Es war dort, wo wir nicht dachten, dass es möglich wäre.“

Dirk Schulze-Makuch, Professor für Astrobiologie an der TU Berlin und Mitautor des Buches „Cosmic Biology

Eine Reise zur Venus geplant?

Die US-Behörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft lässt aufgrund der jüngsten Ereignisse zwei planetenwissenschaftliche Missionen zur Venus erneut prüfen. Im April 2021 soll über die neuen NASA-Missionen entschieden werden.

„Davinci+“

Beim sogenannten „Davinci+“-Programm soll eine Roboter-Sonde die dichten Wolken in der Venus-Atmosphäre genauer erkunden.

„Wenn man den Ergebnissen der Studie nachgehen will, dann ist ‚Davinci‘ die logische Wahl, denn man muss einfach dorthin reisen und sehen, was in der Atmosphäre vor sich geht.“

David Grinspoon, Astrobiologe bei der NASA
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Auf diese Weise könnte eine Roboter-Sonde auf der Venus-Oberfläche abgesetzt werden – Eine Darstellung aus dem Jahr 2016, Bild: Oleson, Steven R., und Michael Paul

„Veritas“

Die zweite Venus-Mission, die erwogen wird, konzentriert sich ausschließlich auf geologische Fragen. Auch hier würde eine Sonde zum Einsatz kommen, die jedoch gezielt die Oberfläche des Planeten untersuchen soll. Dieses Programm würde wahrscheinlich drei Jahre dauern.

Es ist durchaus denkbar, dass die NASA beide Missionen umsetzen wird.

„Es ist an der Zeit, der Venus Priorität einzuräumen.“

Jim Bridenstine, NASA-Chef
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Eine Aufnahme der Venus mithilfe einer Infrarotkamera an Bord des japanischen Akatsuki Venus Climate Orbiter, Bild: Damia Bouic

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