Hast du’s gewusst? Die Geschichte unserer Gemüsesorten

Auf den Spuren unseres alltäglichen Gemüses: Willkommen zu einem kleinen Wissenstest und einer „etwas anderen“ Reise durch die Geschichte.

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Die Geschichte unserer Gemüsesorten, Bild: seettocrop.net

Gemüse ist nicht einfach nur Nahrung, es ist zum Teil sogar Medizin. Wir leben nicht um zu essen, aber wir essen zum zu leben. Deshalb begannen unsere Vorfahren schon vor Jahrtausenden mit der Kultivierung von bestimmten Pflanzen, bis die Gemüsesorten entstanden, wie wir sie heute kennen. Doch die Geschichte so manches Gewächses ist aufregender als man auf den ersten Blick vielleicht denkt.

Die Kartoffel

Die Geschichte der Kartoffel begann vor etwa 350 Millionen Jahren, als sie sich aus einem giftigen Vorfahren der Familie der Nachtschattengewächse entwickelte. Mit ihr zusammen entstanden auf diesem Wege auch der Tabak, die Paprika und die Tomate. Ihre heutige Form bekam die Kartoffel im südamerikanischen Andenhochland zwischen Peru und Bolivien. Vor 15.000 Jahren begannen Menschen dort sesshaft zu werden. Es gelang ihnen um etwa 8.000 v. Chr. die Kartoffel zu kultivieren. Von da an begann das Wurzelgemüse langsam den Kontinent zu erobern bis es von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht wurde und dort zu großer Beliebtheit gelangte.

Die Tomate

Nachdem sie sich gemeinsam mit der Kartoffel entwickelt hatte, erkannten die Azteken das große Potenzial dieses Gemüses. Sie begannen damit die Tomate vor 2.500 Jahren kontrolliert anzubauen und erschufen die Pflanze, wie wir sie heute kennen. Die Tomate zählt bis heute zu den populärsten Gemüsesorten weltweit.

Die Mohrrübe

Die Anfänge unserer heutigen Mohrrübe reichen etwa 5.000 Jahre zurück und beginnen im alten Iran und Afghanistan, von wo sie sich schnell nach Ägypten und China ausbreitete, bevor sie letztendlich das mittelalterliche Europa erreichte. Im 17. Jahrhundert bekam die Mohrrübe in den Niederlanden ihre heute so typische orange Farbe. Es gibt auch weiße und rotviolette Varianten.

Der Knoblauch

Knoblauch gehört zu den ältesten Gewürzpflanzen überhaupt. Überall auf der Welt hat er den Weg in kulinarische Traditionen gefunden. Die Pflanze wurde bereits im Zentralasien der Jungsteinzeit kultiviert. Etwa 3.000 v. Chr. begann der Knoblauch seine Reise in den Nahen Osten und nach Nordafrika, bevor er sich auch in Europa etablierte. Seine antibakterielle Wirkung macht ihn auch aus medizinischer Sicht sehr interessant.

Die Zwiebel

Auch die Zwiebel gehört zu den ältesten bekannten Gemüsesorten. Allerdings sind sich Archäologen, Botaniker und Historiker bis heute nicht ganz einig, wann genau ihre Kultivierung begann, da Zwiebeln leicht verderblich sind und nur wenige Spuren hinterlassen. Wahrscheinlich wurden Zwiebeln bereits im Zentralasien der Jungsteinzeit angebaut und gelangten schnell bis nach Ägypten. Vor 5.000 Jahren fand das Gemüse seinen Weg nach Mesopotamien und Indien. Ihre medizinischen Eigenschaften machen die Zwiebel sehr attraktiv. Sogar in der alten chinesischen Medizin spielt sie eine zentrale Rolle. Die Pflanze wirkt antibakteriell und beugt Durst vor. Sehr bald waren viele Kulturen von diesem vielseitig einsetzbaren „Wundermittel“ abhängig.

Die Bohne

Der Ursprung unserer heutigen Gartenbohne befindet sich in Amerika. Sowohl im Norden als auch im Süden wurde diese besonders ertragreiche Pflanze bereits 3.000 v. Chr. von den mesoamerikanischen Hochkulturen der Azteken, Maya und Inka angebaut. Die Bohne gelangte im 16. Jahrhundert mit den spanischen Eroberern nach Europa und wurde dort ebenfalls schnell populär.

Die Gurke

Ursprünglich aus Indien stammend und dort bereits vor 4.000 Jahren angebaut, wurde die Pflanze schnell im antiken Griechenland und im alten Rom bekannt. Aber auch in Mesopotamien erfreute sich das Gemüse großer Beliebtheit, wie dessen Erwähnung im Gilgamesh Epos und in der Legende von Ur bestätigt. Nach dem Fall des Römischen Imperiums verschwand die Gurke etwas aus dem Fokus der europäischen Küchen, bevor sie im 8. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Im 14. Jahrhundert erreichte sie schließlich die britischen Inseln.

Die Paprika

Der Ursprung der verschiedenen Paprikasorten lässt sich in Mittel- und Südamerika finden. Ausgrabungen haben ergeben, dass das Gemüse bereits um 7.000 v. Chr. in einem Tal bei Tehuacán im heutigen Mexiko angebaut wurde. Auch diese Pflanze gelangte zu Beginn der Frühen Neuzeit nach Europa. Die Schärfe mancher Paprikaarten, darunter der Chili, macht diese Pflanze kulinarisch sehr interessant. Als Gemüse und Gewürz sind Paprika und Chili auch heute noch zentraler Bestandteil der mexikanischen Küche.

Der Kohl

Die Geschichte des Kohlanbaus begann etwa 1.000 v. Chr. im heutigen Griechenland. Die zahlreichen etablierten Kohlsorten wie wir sie heute kennen, entstanden aus der Kultivierung einer ursprünglichen Wildpflanze. Dieser Wildkohl kommt auch in Deutschland vor.

Das Radieschen

Wann genau Menschen anfingen Radieschen anzubauen, ist heute unklar. Es wird aber vermutet, dass dieses Gemüse aus dem Fernen Osten stammt. Im 16. Jahrhundert etablierte sich die Pflanze auch in Europa.

Der Spinat

Ursprünglich aus Persien stammend, wurde der Spinat von den Mauren im 11. Jahrhundert nach Spanien gebracht, von wo aus er schnell Frankreich und auch Deutschland erreichte. Wann genau die erste Kultivierung dieses Gemüses begann, lässt sich heute nicht mehr sagen.

Die Rote Beete

Mit den Römern gelangte die Rote Beete nach Mitteleuropa. Ursprünglich stammte sie jedoch wahrscheinlich aus Nordafrika. Wann genau sie das erste Mal angebaut wurde, ist umstritten. Die gleichmäßig rote Farbe entstand erst mit der Weiterveredlung im 19. und 20. Jahrhundert. Die Rote Beete ist medizinisch sehr interessant, weil sie unter anderem blutdrucksenkend wirkt und das Herzinfarktrisiko verringert.

Die Zucchini

Die Zucchini wurde mithilfe gezielter Züchtung aus Kürbissen entwickelt. Der Ursprung dieses Gemüses liegt auf dem amerikanischen Kontinent. Im 17. Jahrhundert begann die Zucchini den Siegeszug durch Europa. Bis heute ist sie fester Bestandteil der mediterranen Küche.

Der Ingwer

In den tropischen Dschungeln Südasiens beginnt die Geschichte des Ingwers. Bereits in der Antike wusste man um die medizinische Wirksamkeit dieser Gewürzpflanze. Im Mittelalter etablierte sich der Ingwer auch in der arabischen und sogar nordeuropäischen Medizin. Ingwer hilft unter anderem gegen Übelkeit, Erkältungen und Muskelschmerzen.

Die Artischocke

Bereits vor tausenden von Jahren kultivierten die Menschen im Vorderen Orient dieses besondere Gemüse. Auch die Ägypter haben diese Pflanze bereits früh angebaut. Schnell verbreitete sie sich über den ganzen Mittelmeerraum. In der griechischen Mythologie heißt es, Zeus hätte die attraktive Nymphe Cynara in eine stachelige Artischocke verwandelt, nachdem sie ihn abgewiesen hatte. Im 15. Jahrhundert gelangte das Gemüse letztendlich nach Frankreich und Großbritannien.


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