Hanfu: Junge Chinesen tragen wieder Traditionelles

Das ist kein Festival und keine Mittelaltershow. Alte chinesische Gewänder sind im Land der Mitte wieder in Mode. Für manche ist diese Tracht jedoch viel mehr als nur „Kleidung“.

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Junge Chinesen tragen Hanfu, Bilder: ziseviolet

Li Doudou’s graues Kätzchen schmiegt sich an sie, während die Frau ihr Make-up akribisch aufträgt und ihre Haare zu einem mit kunstvollen Ornamenten geschmückten Dutt hochsteckt. Die 26-jährige Immobiliensachverständige sieht aus, als wäre sie Teil eines historischen chinesischen Reenactments. Sie trägt eine lange blaue Tunika im Stil der Ming-Dynastie mit weiten Ärmeln und einem Blumenmuster aus Gold- und Silberfaden, dazu einen leuchtend orangefarbenen Rock.

Li’s Kleidung kommt nach dem sogenannten Hanfu-Stil (Hanfu – chinesisch für „Kleidung der Han“). Dieser wurde während eines großen Teils der chinesischen Geschichte von den Han-Chinesen getragen. Die Han-Dynastie regierte das antike Chinesische Kaiserreich von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr. Doch Hanfu blieb weit darüber hinaus in der chinesischen Kultur präsent.

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Li Doudou, Bild: ABC News

Heute sind die Han-Chinesen mit einem Anteil von 18 Prozent die größte Volksgruppe der Welt und machen auch die absolute Mehrheit der chinesischen Staatsbürger aus. Hanfu wird gerne als „chinesische Seiden-Robe“ übersetzt, was diesen Kleidungsstil sehr gut beschreibt. Er ist sehr farbenfroh und edel, die Gewänder sind lang und mit Lotusblumen oder Drachen bestickt. Sogar die Kopfbedeckungen sind verziert.

Die Hanfu-Bewegung begann als Internetphänomen

Im Land der Mitte findet gerade eine ‚Besinnung auf die eigenen Wurzeln‘ statt. Im Internet gibt es zahlreiche Plattformen wie etwa „Little Red Book“, „Weibo“ oder „Wechat“, auf denen sich die Hanfu-Bewegung manifestiert hat und noch immer neue Anhänger findet. Junge Chinesen tragen wieder traditionell! Auch eine andere Chinesin namens Li nutzt das Internet. Ihr Profil „Nanzhi999“ auf der Plattform „Douyin Short Video“, auf dem sie ihr Leben im Hanfu-Stil teilt, zählt mittlerweile über 1 Million Abonnenten.

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Konfuzius in Hanfu, Bild: Wikimedia Commons

Kleidung mit tieferer Bedeutung

Li von „Douyin Short Video“ sagt, dass „jeder das Schöne teilen möchte“. Doch die Hanfu-Anhänger wissen, dass es um viel mehr geht, als nur Kleidung. Hanfu ist ein „Fashion-Statement“. „Es geht darum ein modernes Konzept auf die Vergangenheit zu projizieren“, erklärt Kevin Carrico, Autor von „The Great Han“. Es handelt sich vielmehr um die Wiederbelebung und Verbreitung traditioneller chinesischer Kultur.

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Junge Chinesen tragen Hanfu, Bilder: ziseviolet

Hanfu-Praktizierende weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass ihre Ambitionen unpolitisch seien, obwohl sie zum Teil auch Unterstützung von der chinesischen Regierung erhalten. Vor zwei Jahren organisierte der Kommunistische Jugendverband Chinas zum ersten Mal einen „chinesischen Trachten-Tag“ an dem alle Chinesen aufgefordert wurden, ihre ethnischen Outfits online zu teilen. Auch der Präsident Xi Jinping wirbt damit, traditionelle chinesische Werte zu fördern.

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Junge Chinesen tragen Hanfu, Bilder: ziseviolet

„Etwas ganz Persönliches“

Hanfu ist für viele Chinesen „etwas ganz Persönliches“. Nachdem Li Doudou angefangen hat Hanfu zu tragen, besuchte sie ein Seminar über traditionelle Teezeremonien. Sie plant auch das Guqin-Spielen zu lernen. Hierbei handelt es sich um eine traditionelle chinesische Zither mit sieben Saiten.

„Die größte Veränderung für mich persönlich ist, dass ich mehr Selbstvertrauen habe. Wenn ich Hanfu trage, fühle ich mich wie der schönste Mensch auf Erden.“

Li Doudou

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