Forscher erwarten künftig deutlich mehr interstellare Objekte in unserem Sonnensystem

In den vergangenen zwei Jahren konnten Astronomen zwei interstellare Objekte in unserem Sonnensystem beobachten. Und das soll erst der Anfang sein!

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Der Carinanebel, Bild: ESA/Hubble und NASA

Interstellare Objekte sind Weltraummaterial, das außerhalb unseres Sonnensystems entstanden ist und nun durch unsere Gefilde reist. Forscher rechnen künftig jedes Jahr mit hunderten von solchen Sichtungen.

„Oumuamua“ – ein UFO?

Das erste nachgewiesene interstellare Objekt war „Oumuamua“. Es wurde im Oktober 2017 für einige Wochen beobachtet, bevor es wieder in den Tiefen des Weltalls verschwand. Überall wurde heftig diskutiert, um was es sich bei diesem außergewöhnlichen „zigarrenförmigen“ Objekt handeln könnte. Nicht wenige vermuteten ein außerirdisches Raumschiff. Das Green-Bank-Observatorium im US-Bundesstaat West Virginia richtete sogar ihr Radioteleskop darauf, um nach möglichen künstlichen Radiosignalen zu suchen. Auch der Leiter des astronomischen Institutes der Harvard-Universität, Avi Loeb, „schließt nicht aus, dass es sich bei dem Objekt um eine aktive Raumsonde handeln könnte“.

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Eine künstliche Darstellung von „Oumuamua“, Bild: AFP/ESO

Wahrscheinlich ist diese außergewöhnliche Sichtung jedoch ein Asteroid oder Komet aus einer fernen Galaxie. „Oumuamua“ bedeutet im Hawaiianischen „zuerst erreichen“, da es sich hierbei um das erste jemals gesichtete interstellare Objekt handelt. Es hatte eine Länge von etwa 200 Metern, nahm jedoch im Lauf der Zeit an Masse ab. Die genaue Herkunft von Oumuamua ist bis heute ungeklärt.

Komet „Borisov“

Am 30. August 2019 entdeckte der Amateurastronom Gennadi Wladimirowitsch Borissow mithilfe eines selbstgebauten 65-cm-Teleskops einen außergewöhnlichen Kometen, als er auf der Krim in den Himmel blickte. Es handelt sich um die zweite interstellare Sichtung dieser Art. Der Komet wurde nach seinem Entdecker „Borisov“ benannt, trägt aber auch den Namen C/2019 Q4. Der mittlere Durchmesser dieses Objektes beträgt 2 – 16 Kilometer.

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Eine Originalaufnahme von „Borisov“ – Der Schweif des Kometen ist etwa 160.000 Kilometer lang, Bild: NASA

Es wird vermutet, dass der Komet aus der sogenannten „Oortschen Wolke“, einer Ansammlung astronomischer Objekte im äußersten Rand unseres Sonnensystems stammt. Allerdings ist die Oortsche Wolke bisher rein hypothetisch und nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Am Ende des Jahres wird der Komet „Borisov“ der Erde so nah kommen wie nie zuvor und danach unser Sonnensystem wieder verlassen.

Das ist erst der Anfang

Eine neuveröffentliche Studie in „The Astrophysical Journal Letters“ versichert, dass künftig noch viele weitere Objekte gesichtet werden, die außerhalb unseres Sonnensystems entstanden und von weit her kommen.

„Es sollte viel von diesem Material im Umlauf sein. Dank der neuen Teleskope, die online gehen, werden in Kürze so viel mehr Daten verfügbar sein. Dann müssen wir nicht mehr spekulieren.“

Malena Rice, Studienautorin und Doktorandin an der Yale Universität
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Das Green Bank Teleskop (Durchmesser: 100 – 110 Meter, Reflektorfläche: ca. 7800 m²), Bild: techchrunch.com

Wenn diese neuen Technologien verfügbar sind, können Astronomen genau feststellen, woher die interstellaren Besucher ursprünglich stammen. Es wird vermutet, dass es sich bei den Objekten um Reste anderer Sonnensysteme handelt, die in den Weltraum geschleudert wurden.

Die Ursprünge interstellaren Weltraummaterials

Von den 4.000 bestätigten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems – Exoplaneten genannt – umkreisen die meisten ihren Stern sehr nah. Das bedeutet, dass alle ihre „Bausteinreste“ in den Umlaufbahnen festsitzen, in denen sie sich gebildet haben. Die interstellaren Objekte scheinen also von großen, jüngeren Planeten mit einer entfernteren Umlaufbahn zu stammen. Aufgrund ihrer großen Entfernung zu dem nächstgelegenen Stern, können Planetenreste frei in den Weltraum gelangen. Solche Planeten sind jedoch deutlich schwerer zu beobachten.

Forscher konnten nun drei große Planeten mit einer entfernteren Umlaufbahn im Rahmen des sogenannten „High Angular Resolution Projects“ in Chile untersuchen. Gregory Laughlin, Studienautor und Astronomieprofessor an der Yale Universität, versichert „dass wir hunderte dieser (interstellaren) Objekte finden sollten, wenn die neuen Untersuchungen im nächsten Jahr stattfinden“.

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Eine fast von der Seite sichtbare Spiralgalaxie, Bild: ESA/Hubble und NASA

Astronomen stehen kurz davor viele neue Erkenntnisse über das Weltall zu gewinnen. Die Objekte, nach denen die Wissenschaftler suchen, wirken wie Fingerabdrücke für den Teil der Galaxie aus dem sie stammen und können viele wertvolle Informationen liefern.

„Dies ist das eigentliche Material, aus dem Planeten in anderen Sonnensystemen bestehen und das nun auf uns geschleudert wird. Es ist eine völlig neue Möglichkeit extrasolare Systeme aus nächster Nähe zu untersuchen – und dieses Feld wird sehr bald aufgrund neuer Daten explodieren.“

Malena Rice, Studienautorin und Doktorandin an der Yale Universität

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