Die gruseligsten Kreaturen in der rumänischen Mythologie

Die rumänische Mythologie steckt voller namhafter Helden, großer Taten und fantastischer Geschichten. Neben den heroischsten Persönlichkeiten finden sich jedoch auch grausame und schreckliche Widersacher. Die Rumänen besitzen hinsichtlich ihrer Folklore wirklich eine unheimliche Kreativität. Einige dieser Figuren sind, wenngleich unter anderem Namen, auf der ganzen Welt bekannt.

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Die Landschaft Rumäniens lädt zum Fantasieren ein – tiefe Wälder, urige Dörfer, neblige Täler. Bild: Adobe Stock

Moroi und Strigoi (Vampire)

Dracula ist bei weitem nicht die einzige Vampirfigur, die mittlerweile (seit Bram Stoker) in Rumänien präsent ist. Genauer genommen ist er eine literarische Erfindung und entsprang nicht dem rumänischen Volksmund. Der Vampirmythos in diesem Land ist jedoch bedeutend älter.

Die beiden verbreitetsten Vampire, die in den alten Mythen, Legenden und Märchen eine Rolle spielen, heißen Moroi und Strigoi. Sie sind böse untote Geister, die sich von menschlichem Blut und ihrer Energie ernähren. Je nach Erzählung wird ihnen die Fähigkeiten zugeschrieben sich in Tiere zu verwandeln. Moroi und Strigoi tauchen heute in zahlreichen Büchern, Spielen, Liedern und Erzählungen ausländischer Autoren auf. Viele Schriftsteller haben sich bereits von der rumänischen Mythologie inspirieren lassen.

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Auszug aus dem Nosferatu-Stummfilm, Bild: WallpaperCave

Balaur (Drache)

Von allen schlangen- bzw. drachenähnlichen Fabelwesen ist der Balaur vermutlich der furchterregendste. Er besitzt einen riesigen Körper mit fischartigen Flossen und je nach Legende manchmal drei, sieben oder sogar zwölf Köpfe. Der Balaur entführt Prinzessinnen und schöne junge Mädchen. Insgesamt erinnert diese mythische Gestalt stark an die berühmten griechischen Hydras. In der Walachei sagt man, der Speichel dieses Drachen bilde Edelsteine, die Kreatur selbst könne das Wetter beeinflussen und Hagelstürme erzeugen.

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Hendrick Goltzius‘ Kupferstich: „Der Drache verspeist die Gefährten des Cadmos“, 1588, Bild: Google Arts & Culture

Vârcolac (Werwolf)

Unzählige Legenden ranken sich um den Vârcolac und seine äußerst grausame Natur. Dieses mythische Wesen wird vorwiegend als Werwolf dargestellt. Manche Dorfbewohner fürchten sich noch heute vor diesem Wolfsdämon. Tagsüber nimmt er die Gestalt eines Menschen an, doch bei Vollmond verwandelt er sich in ein Monster und macht Jagd auf Menschen. In einigen Erzählungen wird ihm sogar nachgesagt, er hätte noch weitere übernatürliche Fähigkeiten und könne Sonne und Mond verschlucken. Demnach sei der Vârcolac für das Herbeiführen einer Sonnenfinsternis verantwortlich.

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Werwolf-Gargoyle an der Kathedrale Notre-Dame in Paris, Bild: Wikimedia Commons

Samca (weiblicher Dämon)

Samca ist in der rumänischen Mythologie als bösartiger und grotesker weiblicher Dämon bekannt. Sie soll die Gesundheit von kleinen Kindern und schwangeren Frauen verschlechtern. Im Volksmund hat die Samca langes, zerzaustes Haar, krumme Finger mit scharfen Nägeln, einen feuerspeienden Mund und Hände aus Eisen. Der Legende nach soll dieser Dämon am Ende eines jeden Monats vor einem kleinen Kind oder einer schwangeren Frau erscheinen und die arme Seele entweder töten oder für immer verstümmeln. In Rumänien kennt die Samca angeblich bis zu neun verschiedene Namen.

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Zeichnung eines weiblichen Geistes von Laurel Hausler, Bild: laurelhausler.com

Jidovi und Uriaș (Riesen)

Die Uriaș sind abstoßende, wilde und übergroße Monster. In der rumänischen Mythologie kennt man diese Riesen aus zahlreichen Überlieferungen. Sie werden als einäugige zyklopenähnliche Kreaturen dargestellt, die sich von menschlichem Fleisch ernähren. Als Jidovi werden die sogenannten rumänischen „Urriesen“ bezeichnet.

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Gustave Doré’s Holzstich: „David und Goliath“, Bild: bzi.ro

Căpcăun (Oger)

Der Căpcăun ist ein kannibalischer und furchterregender Oger. Er entführt gerne Prinzessinnen und schöne junge Frauen und ernährt sich vorzugsweise von menschlichem Fleisch, soll aber auch Artgenossen verspeisen. Einige rumänische Legenden stellen ihn als vieräugiges Monster mit Augen auf dem Nacken dar. In anderen Geschichten ist er ein auf allen Vieren laufendes menschenähnliches Monster mit einem Hundekopf. Er darf jedoch nicht mit der Figur des Werwolfs verwechselt werden.

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Holzstich aus der Schedelschen Weltchronik, 1493, Bild: Wikimedia Commons

Baubau (Schwarzer Mann)

Fast jede Kultur kennt den berüchtigten „Schwarzen Mann“. Eltern benutzen ihn gerne als Drohung, wenn sich ihre Kinder nicht benehmen. So soll der schwarze Mann die Kinder holen, wenn sie nicht auf ihre Eltern hören oder etwas Schlechtes tun. Der Baubau wird in Rumänien als böser alter Mann beschrieben, der Kinder entführt und sie an furchterregende Orte bringt. In der westlichen Welt kennt man ihn auch unter dem Namen „Bogeyman“ oder „Black Man“.

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Francisco de Goya: „Here comes the Bogey-Man“ (Original: Que viene el Coco), 1797, Bild: Wikimedia Commons

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