Die Geschichte des Fechtens

Fechten ist eine traditionsreiche Kunst und blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Hinter diesem Sport steckt viel mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Die Geschichte des Fechtens, Samara Ajjour, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Carl Friedrich Weischner: Anleitung zum Fechten (1731), Bild: Herzogin Anna Amalia Bibliothek / Klassik Stiftung Weimar

Samara Ajjour ist Trainerin (Breitensport C-Lizenz) und Autorin. Sie beschäftigte sich intensiv mit alten Schriften über diesen Kampfsport und fasste ihre Erkenntnisse in einigen informativen Büchern zusammen, die in diesem Jahr erschienen sind. Ihre zusätzlichen medizinischen Kenntnisse halfen ihr sich mit den Grundfesten des Fechtens auseinanderzusetzen und alte Blickwinkel neu zu entdecken. Der folgende Beitrag wurde von Samara Ajjour für „Die Vergessene Bibliothek“ verfasst.


Das Fechten wird häufig auch als Kampfsport bezeichnet, welcher sich aus unterschiedlichsten Kampftechniken entwickelte. Lange Zeit war das Fechten ein Instrument, welches zur Selbstverteidigung genutzt wurde.

Auch im Rahmen von Wettkämpfen wurde das Fechten betrieben. Im ägyptischen Tempel von Medinet-Habu findet sich eine der ältesten Darstellungen eines Fechtwettkampfes. Dieser Tempel wurde um 1190 vor Christus auf Anweisung von Ramses dem 3. erbaut, sodass vermutet werden darf, dass die ersten Wettkämpfe im Fechten zu etwa dieser Zeit stattfanden.

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Wandrelief am nördlichen Turm des ersten Pylon des Totentempels von Ramses III. in der Tempelanlage von Medinet-Habu, Bild: Rüdiger Stehn

Für mich ist Fechten jedoch viel mehr als ein Kampfsport oder die Möglichkeit an einem Wettkampf teilzunehmen. Es ist eine wundervolle Freizeitaktivität und enthält die Möglichkeit strategisches Denken zu erlernen bzw. zu verbessern. Fechten stärkt nicht nur unsere Muskulatur, es wirkt sich auch positiv auf unser Herz-Kreislauf-System aus. Auch unsere psychischen Eigenschaften werden geschult. Unsere Konzentration, Nervenstärke und geistige Leistungsfähigkeit werden gefördert und gefordert. Es ist eine Sportart welche von Jung und Alt betrieben werden kann. Mein Ziel ist es auch den Menschen einen Zugang zu diesem tollen Sport zu ermöglichen, welche in ihrer Jugend noch nicht mit dem Fechten in Berührung kamen. Dabei möchte ich als Trainerin vorrangig die positiven gesundheitlichen Aspekte nutzen und fördern, weshalb ich mein Training im Rahmen des Breitensports anbiete.

Hierbei binde ich auch schon längst vergessene Techniken in mein Training ein und lege viel Wert auf die korrekte Ausübung der Techniken. Erzielte Treffer zum Beispiel ergeben nur einen Punkt, wenn der Fechter in seiner Aktion nicht ebenfalls einen Treffer erhalten hat. Mein Wissen über die vergessenen Techniken verschaffte ich mir aus der Transkription alter Fechtbücher. Das Ergebnis daraus sind meine Arbeitsbücher zum Stoßfechten, in welchem ich das alte Wissen mit den heute gültigen gesundheitlichen Standards verbinde.

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Fechtdarstellung nach Salvator Fabris (1606), Bild: Bayrische Staatsbibliothek

Als I.33 wird ein Manuskript bezeichnet, welches ebenfalls als „Tower-Fechtbuch“ bekannt geworden ist (Manuscript I.33, Royal Library Museum, British Museum No. 14 E iii, No. 20, D. vi.). Erschienen ist es vermutlich um 1300. Es gilt als eines der ersten Werke, welches sich mit dem Fechten befasst. Es wird vermutet, dass ein Fechtmeister mit dem Namen „Liutger“ an dieser Publikation beteiligt war. Anhand von sogenannten „Merksätzen“ erfolgte die Wissensvermittlung an die Fechtschüler. Dieses Manuskript enthält 32 beidseitig beschriebenen Blätter, welche aus Pergament bestehen und mit farbigen Zeichnungen versehen wurden. Der Sekretär des Bischofs zu Würzburg war wahrscheinlich als Schreiber an diesem Manuskript beteiligt. (Quelle)

1389 wurde das Werk mit dem Titel „Meister Johann Lichtenauers Fecht- und Ringkunst“ (Quelle) vermutlich von seinem Schüler Hanko Döbringer verfasst. Interessant ist, dass es sich hierbei nicht um ein reines Fechtbuch handelt. Unter anderem werden die Härtung von Eisen sowie alchemistische Rezepte beschrieben.

Der Vorläufer des heutigen Fechtsports hat wahrscheinlich seinen Ursprung in Spanien. Um 1410 wurde in Italien vermutlich bereits eines der ersten Fechtlehrbücher verfasst. Der Fechtmeister Salvator Fabris (1544-1617) verfasste sein Werk „Scientia e pratica d’arme“. (Quelle)

Die Geschichte des Fechtens, Samara Ajjour, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Darstellung aus Salvatore Fabris‘ „Division der Klingen“ (1616), Bild: Giclée Fine Art Print

Auch der Fechtmeister Achille Marozzo (1484 – 1550) verfasste wiederum 1536 ebenfalls sein Fechtbuch: „Opera Nova de Achille Marozzo, Bolognese, Maestro Generale, de l’arte de l’Armi“. (Quelle)

Die Fechtmeister begangen somit erste didaktische Übungen zu entwickeln und fortlaufend zu verschriftlichen. Der Franzose Henri Saint Didier definierte um 1570 die uns heute bekannten fechterischen Begriffe. (Quelle)

Im 17. Jahrhundert sorgte der deutsche Fechtmeister Wilhelm Kreußler (1597 – 1673) für die Grundlagen des Stoßfechtens in Deutschland. (Quelle)

1731 verfasste Siegmund Carl Friedrich Weischner die Handschrift „Anleitung zum Fechten“. (Quelle) Herr Weischner war Fechtmeister an einem Gymnasium in Weimar.

1861 gründete der Fechtmeister Ernst Wilhelm Staberoh (1879 – 1943) eine der ersten Fechtgruppen, damals bezeichnet als Fechtriege, in Dresden. 1886 fand die Gründung einer ersten Fechtsektion in einem Turnverein statt. (Quelle)

Der Deutsche Fechterbund wurde im Jahre 1911 gegründet. Im Jahre 1912 kam dann die Gründung des Fechtverbands der deutschen Turnerschaft hinzu.

Meine Arbeitsbücher, welche alle samt 2019 erschienen, sollen das Bindeglied zwischen „damals“ und „heute“ darstellen. Unter anderem wurden historische Handschriften transkribiert und anschließend publiziert. Diese Arbeitsbücher sollen dazu animieren, sich selbst mit der Geschichte des Fechtens auseinander zu setzen, sowie das „Gelesene“ in der Praxis selbst auszuprobieren. Letzteres geschieht regelmäßig in meinem Training. Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen:

https://samara-ajjour-fechten-in-dresden.jimdosite.com

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Meine neuerschienenen Fechtbücher, Bild: Samara Ajjour

Hier können Sie alle meine neuveröffentlichten Werke finden:
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