Die älteste Pandemie: Bisher unbekannter Pesterreger aus der Steinzeit

Ein internationales Forscherteam machte in einem etwa 5000 Jahre alten Grab in Schweden eine erstaunliche Entdeckung. Neben den Überresten einer Steinzeit-Frau konnte auch der womöglich älteste bekannte Pesterreger der Geschichte sichergestellt werden. Es handelt sich hierbei vielleicht um die am weitesten zurückliegende Pandemie der Menschheit.

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Der Pesterreger „Yersinia pestis“ unter dem Mikroskop, Bild: dpa

In der Nähe des Ortes Gökhem im Westen Schwedens wurde ein sogenanntes steinzeitliches „Ganggrab“ entdeckt. Unter den dutzenden von Bestatteten fand sich auch eine junge Frau, die sich an ihrem Todestag noch in der Blüte ihres Lebens befand. Sie wurde zusammen mit ihren Verwandten beerdigt. Laut aktuellem Forschungsstand begann vor etwa 5000 Jahren die bäuerlich-sesshafte Kultur in Schweden. Doch was genau geschieht dann plötzlich im Gökhem der Jungsteinzeit?

Forscher aus Schweden, Dänemark und Frankreich wollen die Ursache für dieses „Massensterben“ gefunden haben. Ihre Entdeckung könnte die Geschichte umschreiben. Die Wissenschaftler fanden ein neues Pestbakterium namens „Yersinia pestis“. Sie dokumentierten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Cell“ und berichten, dass die Entdeckung des Massengrabes in Schweden maßgeblich dazu beigetragen hätte, den genetischen Code dieses bisher unbekannten Erregers zu entziffern.

Die Überreste der Frau aus der Steinzeit gewähren die erste dokumentierte Pestinfektion in der Geschichte der Menschheit und womöglich die älteste nachweisbare Pandemie dieser Art. Die Entdeckung veränderte die bisherige Sicht der Wissenschaftler auf die Verbreitung dieser höchst ansteckenden Krankheit.

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Die Gesellschaft der Jungsteinzeit in Schweden vor 5.000 Jahren, Bild: Museumsgesellschaft Arbon

Bisher waren die Forscher davon ausgegangen, dass die Pesterreger mit den Jamnaja, einer Nomaden-Kultur vor etwa 4.800 Jahren aus Asien eingeschleppt wurden. Die Frau in Gökhem lebte jedoch bedeutend früher. Die Nomaden hatten zu dieser Zeit noch keinen Kontakt nach Schweden. Zudem gibt es signifikante genetische Unterschiede zwischen den beiden Pestbakterien. Es handelt sich hier also um zwei unterschiedliche Bakterienstämme.

Massensterben in anderen Landstrichen erklärt?

Der neue Pesterreger könnte die Antwort darauf liefern, warum es zu dieser Zeit zu einem Massensterben in Rumänien, Moldau und der Ukraine gekommen war. Forscher können heute einen massiven Einbruch der Bevölkerungszahl in den dort befindlichen „Steinzeit-Megasiedlungen“ nachweisen.

Im 6. Jahrhundert folge dann die sogenannte „Justinianische Pest“, welche ganze Landstriche im Mittelmeerraum entvölkerte. Laut Schätzungen wurde im Oströmischen Reich etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung ausgelöscht. Im Mittelalter kam die Pest wieder zurück und wütete weiter. Zu der Zeit sollen etwa 25 Millionen Menschen am sogenannten „Schwarzen Tod“ gestorben sein. Das wäre etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung gewesen, womöglich sogar viel mehr.

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Das Gemälde „Die Pest“ von Arnold Böcklin aus dem Jahre 1898

Auch heute ist die Pest nicht aus der Welt

Auch wenn die Pest nach etwas längst Vergangenem klingt, so gibt es sie noch bis zum heutigen Tag. Etwa auf Madagaskar treten regelmäßig Pestfälle auf. In der Medizin wird zwischen der Beulen- und der Lungenpest unterschieden. Übertragen wird die Krankheit durch Ratten, aber auch durch Haustiere. Es gibt sogar Forscher, die eine neue Pandemie für äußerst realistisch halten.

Es gibt einen Unterschied zwischen den Begriffen „Epidemie“ und „Pandemie“. Während sich eine Epidemie nur auf bestimmte und begrenzte Landstriche beschränkt, wütet eine Pandemie auch länderübergreifend. Besonders gefährdet wären heutzutage dicht besiedelte und strukturschwache Gegenden der sogenannten „Dritten Welt“, darunter der afrikanische Kontinent und Südasien.


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