Die älteste durchgehend bestehende Bibliothek der Welt

Das Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai ist etwa 1.500 Jahre alt und damit eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Doch nicht nur das stattliche Alter macht diesen Ort so legendär.

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Das Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai, Bild: Berthold Werner

Nach einer Überlieferung befindet sich der Hauptaltar dieser heiligen Stätte auf genau jener Stelle, an der Moses das erste Mal zum brennenden Dornbusch sprach. Doch auch fernab der Mystik birgt das Kloster einen realen und unermesslich wertvollen Schatz: Die älteste kontinuierlich arbeitende Bibliothek der Welt mit zum Teil verlorengeglaubten Schriftstücken. Mittlerweile wurde das Katharinenkloster am Berg Sinai zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und wird jährlich von etwa 50.000 Touristen besucht.

Gegründet wurde das Katharinenkloster im 6. Jahrhundert. Die Chroniken weisen auf einen Zeitraum zwischen 548 n. Chr. und 565 n. Chr. hin. Seit dem hat das Kloster nicht ein einziges Mal seine Türen vor der Außenwelt geschlossen. Benannt wurde die heilige Stätte nach der christlichen Märtyrerin Katharina von Alexandrien, deren Gebeine einer Legende zufolge von einem Engel herbeigetragen nun im Kloster ruhen. Ursprünglich war der Ort jedoch der heiligen Maria geweiht. Von Kaiser Justinian I. erbaut und von Kaiserin Helena, der Mutter von Konstantin dem Großen finanziert, befinden sich in den uralten Archiven des Klosters noch immer antike römische Schriftrollen aus der Gründungszeit.

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Der Glockenturm des Klosters, Bild: Berthold Werner

Schriftstücke von unschätzbarem Wert

Zu den vielen literarischen Kostbarkeiten zählen unter anderem eine Abschrift der syrischen Evangelien aus dem 5. Jahrhundert, der Codex Sinaiticus (die älteste vollständig erhaltene Bibel) aus dem Jahre 345 n. Chr., ein Buch über das „Leben der heiligen Frauen“ aus dem Jahre 779 n. Chr. und die syrische Version der „Entschuldigung von Aristides“, dessen altgriechische Originalfassung als verloren gilt. Das Syrische ist eine antike Literatursprache, die auf einem östlichen aramäischen Dialekt basiert.

Doch auch arabische Manuskripte haben die Zeit überdauert, darunter die Kopie eines Textes, in dem der muslimische Prophet Mohammed den in diesem Kloster lebenden christlichen Mönchen Schutz gewährt, sie von der Steuer und dem Militärdienst befreit, obwohl das Gebiet zu der Zeit unter islamischer Herrschaft stand.

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So können antike Schriftrollen aussehen, Bild: Photo12/Alamy

Erste antike Manuskripte bald schon online

Die Bibliothek der UCLA (University of California, Los Angeles) hat ein Projekt ins Leben gerufen, welches gerade etwa 1.100 einzigartige syrische und arabische Manuskripte aus dem ägyptischen Katharinenkloster digitalisiert. Die Schriftstücke stammen insgesamt aus einem Zeitraum, der sich vom 4. bis zum 17. Jahrhundert erstreckt. Die ersten Dateien werden mit etwas Glück schon sehr bald zugänglich sein.


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