Das sind die 8 ältesten Tattoos der Welt

Obwohl viele Menschen Tätowierungen für einen modernen Trend halten, ist diese Körperkunst tatsächlich viel älter als die meisten denken.

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Bereits in der Steinzeit nutzten die Menschen ihre Haut als Medium. Hinter diesem Tattoo steckt der älteste „Tintling“ der Welt. Wer mag das wohl sein? Bild: Südtiroler Archäologiemuseum

Forscher haben bereits Tätowierungswerkzeug und menschliche Figuren mit Körperbemalung aus der Steinzeit entdeckt. Diese Funde deuten darauf hin, dass sich unsere Vorfahren bereits vor 50.000 Jahren tätowiert haben. Zudem sind Tattoos bei weitem nicht die einzige bekannte Körpermodifikation. Auch Piercings, Beschneidungen oder Turmschädel sind „künstliche“ Ausdrücke von kultureller Identität, rituellen Motiven oder einem besonderen „ästhetischen“ Verständnis.

Heute sind viele dieser Praktiken aus gesundheitlichen Gründen umstritten. Tattoos waren jedoch gefühlt noch nie so beliebt und beschränken sich nicht nur auf einen Kulturkreis. Die ältesten heute bekannten Beispiele für diese Körperkunst finden sich auf mumifizierten Steinzeitmenschen und stammen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus.

8. Tattoo des Erzengels Michael

Diese mumifizierte Frau lebte im 7. Jahrhundert n. Chr. und stammt aus dem mittelalterlichen Sudan. Obwohl ihr Körper bereits 2005 gefunden wurde, konnte das Tattoo an ihrem inneren Oberschenkel erst neun Jahre später bei einem CT-Scan entdeckt werden. Die Tätowierung besteht aus einem Monogramm, welches sich aus den Initialen des Erzengels Michael zusammensetzt. Die Buchstaben sind altgriechisch lauten: M-I-X-A-H-A.

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Tattoo des Erzengels Michael aus dem 7. Jahrhundert n. Chr., Bilder: Smithsonian Magazine & crimsonvermillion

Das Symbol auf der weiblichen Mumie ähnelt vergleichbaren Motiven, die von Archäologen auf kirchlichen Mosaiken und anderen Artefakten gefunden wurden. Doch es ist das erste Mal, dass das Monogramm des Erzengels Michael auf dem Körper eines Menschen auftaucht. Forscher glauben, dass dieses Tattoo womöglich zum Schutz vor sexueller Gewalt oder zur Hilfe bei einer bevorstehenden Geburt auf den inneren Oberschenkel gestochen wurde. Die Symbolik des Erzengels, sowie die Körperstelle der Tätowierung deuten auf diese Beweggründe hin.

7. Chiribaya-Mumien

Die Chiribaya waren eine Prä-Inkakultur aus dem Norden Perus und Südchile. Mittlerweile wurden mehrere Mumien aus ihrem Volk entdeckt. Einige von ihnen sind tätowiert und lassen sich auf den Zeitraum von 800 bis 1350 n. Chr. datieren.

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Chiribayba-Tattoos aus dem 1. Jahrtausend n. Chr., Bild: Smithsonian Magazine

Anfang der 90er Jahre wurde eine weibliche Mumie entdeckt, die gleich mehrere Tätowierungen aufwies. Laboranalysen haben ergeben, dass die Tattoos verbranntes Pflanzenmaterial beinhalten. Sie wurden also mithilfe von Ruß auf die Haut aufgetragen, was für viele Tätowierungen aus dieser Zeit üblich war. Auf der Haut der Frau finden sich Darstellungen von Vögeln, Affen, Reptilien aber auch schlichtere rein dekorative Symbole. Forscher gehen davon aus, dass die kreisförmigen Tätowierungen nicht nur Zierwecken dienten, sondern Teil von Heil- und Kraftritualen waren.

6. Die Prinzessin von Ukok

Die als „Prinzessin von Ukok“ bekannte Mumie ist berühmt für ihre kunstvollen Tätowierungen von hirschartigen Wesen. Auch die beiden Krieger, die mit ihr im russischen Altaigebirge bestattet wurden, besitzen Körperkunst die modernen Tattoos sehr ähnlich sieht. Im Gegensatz zu anderen Tätowierungen aus der Zeit, die lediglich aus Punkten und Linien bestehen, sind die Motive der „Prinzessin von Ukok“ sehr aufwändig und detailreich.

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Die sibirische Prinzessin aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., Bilder: NY Daily News & Travelin’ Mick

Forscher nehmen an, dass die Frau einen hohen Status hatte und vielleicht als „Heilige“ verehrt wurde. Ihr Grab war zudem mit feiner Kleidung und sechs Pferden ausgestattet worden. Die Pasyryk, der Nomadenstamm dem die „Prinzessin von Ukok“ angehörte, nutzten Tätowierungen zur persönlichen Identifikation. Sie glaubten daran, dass diese Symbole den Menschen im Jenseits helfen würden sich wiederzufinden.

5. Eine ganzkörpertätowierte ägyptische Mumie

Viele ägyptische Mumien wurden zu Lebzeiten tätowiert. Die Motive beschränken sich jedoch vorwiegend auf Linien und Punkte. Im Jahr 2016 stellte ein Bioarchäologe fest, dass eine weibliche Mumie aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. weitaus kunstvollere Körperkunst aufwies, darunter Lotusblüten, Kühe und Paviane. Die Frau war fast am gesamten Körper tätowiert, weshalb die Forscher annehmen, dass sie eine wichtige Persönlichkeit in ihrer Gesellschaft gewesen ist und ihr möglicherweise übersinnliche Kräfte zugeschrieben wurden.

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„Das Wadjet-Auge“ – eine religiöse Tätowierung aus dem Alten Ägypten, Bild: The Independent

Eine Tätowierung, die große mythologische Bedeutung hat, ist das sogenannte „Wadjet-Auge“ (das Auge der Schlangengöttin Wadjet, auch Wadjit, Uto, Edjo oder Buto genannt). Dieses mächtige göttliche Symbol wurde genutzt um das Böse abzuwehren.

4. Die Tarim-Mumien

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde eine große Anzahl an guterhaltenen Mumien im Tarimbecken in China entdeckt. Die Mumien stammen aus einem Zeitraum von 1800 bis 100 v. Chr. Weil ihr Zustand so außerordentlich ist, konnten auch Tätowierungen auf mehreren Körperstellen ausfindig gemacht werden. Die hier verwendete „Punktiertechnik“ ähnelt der Tätowiermethode der Thraker, Skythen und Pasyryk.

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Die Tätowierungen der sehr gut erhaltenen Tarim-Mumien aus China, Bilder: The Apricity & archeology.org

Eine der weiblichen Mumien hatte Ovale und Halbmonde auf ihrem Gesicht, was womöglich auf die Anbetung einer Gottheit hindeutet. Eine männliche Mumie, die als „Cherchen Mann“ bekannt ist, wies Sonnen-Tattoos auf ihrer Schläfe auf, welche vielleicht einen männlichen Gott darstellen. Beide Mumien waren zu Lebzeiten möglicherweise Schamanen. Ihre Körper wiesen insgesamt großflächige Tätowierungen auf.

3. Amunet, die tätowierte Priesterin von Hathor

In den späten 1890er Jahren wurden in Ägypten mehrere tätowierte Mumien aus der Zeit um 2000 v. Chr. entdeckt. Sie alle waren einst Priesterinnen der Göttin Hathor. Die außergewöhnlichste von ihnen hieß Amunet. Als diese Frauen entdeckt wurden, hielt man sie zuerst für Prostituierte oder Konkubinen, da ihre Tätowierungen als eher sinnlich empfunden wurden, insbesondere die von Amunet. Heute sind Forscher der Meinung, dass die Tattoos den Priesterinnen als Verbindung mit ihrer Göttin dienten.

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Zum Teil intime Tätowierungen einer altägyptischen Priesterin, Bild: Ancient Origins

Hathor soll Frauen bei der Geburt ihrer Kinder helfen. Deshalb waren die Körperstellen der Tätowierungen wahrscheinlich auch eher intim. Amunets Tattoos bedeckten einen Großteil ihres Unterbauchs und ihres mittleren Torsos. Sie hatte jedoch auch Motive unter ihrer rechten Brust, an der Innenseite ihrer Ellbogengelenke, an ihrer linken Schulter und an ihren Oberschenkeln. Die Tätowierungen bestanden aus zahlreichen Punkten und Strichen mit einigen konzentrischen Kreisen.

2. Der tätowierte Schnurrbart des Chinchorro-Mannes

Bis vor kurzem galt der „Chinchorro-Mann“ als die älteste tätowierte Mumie der Welt. Wissenschaftler datierten ihn ursprünglich auf etwa 4000 v. Chr., korrigierten sein Alter jedoch nachträglich. Er soll tatsächlich etwa um 2500 v. Chr. gelebt haben. Es gibt allerdings auch Chinchorro-Mumien, die bedeutend älter sind als unser Platz 1. in diesem Artikel. Diese sind jedoch nicht tätowiert. Die Chinchorro waren ein Jäger- und Sammlervolk in Südamerika.

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Ein 4.500 Jahre alter tätowierter Schnurrbart, Bild: Historic Mysteries

Der sogenannte „Chinchorro-Mann“ weist eine Reihe schwarzer Punkte auf seiner Oberlippe auf, die wie ein dünner Schnurrbart aussehen. Heute gibt es Menschen, die sich die Augenbrauen tätowieren lassen. Ob der Urzeitmann mit dieser Körperkunst tatsächlich einen Schnurrbart imitieren wollte, ist heute unklar. Die Mumie ist selbst unter allen anderen jemals gefundenen Mumien der Chinchorro-Kultur einzigartig. Niemand sonst scheint ähnliche Tätowierungen gehabt zu haben. Möglicherweise deutete dieses Tattoo auf den sozialen Status oder die Stammeszugehörigkeit des Mannes hin.

1. Ötzi der Eiszeitmann

Ötzis Tätowierungen sind bisher die ältesten auf der Welt, wie Forscher im Jahr 2015 festgestellt haben. Ötzi lebte etwa um 3400 v. Chr. und ist damit rund 1.000 Jahre älter als der Chinchorro-Mann. Der Eiszeitmensch aus den Ötztaler Alpen weist insgesamt 61 Tätowierungen an verschiedenen Stellen seines Körpers auf. Er hat Tattoos auf seinem linken Handgelenk, seinem unteren Rücken, seinem Rumpf und dem Unterschenkel. Insgesamt schmücken Ötzi 19 schwarze Linien mit einer Dicke von 1 bis 3 Millimetern und einer Länge von 7 bis 40 Millimetern.

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Ötzi war wohl ein großer Tattoo-Freund, Bilder: Südtiroler Archäologiemuseum & Marco Samadelli

Der Fund von Ötzi zeigt jedoch, dass die Praxis des Tätowierens bereits älter sein muss als Ötzi selbst. Forscher gehen davon aus, dass es noch ältere Tattoos auf Mumien gibt, die noch nicht entdeckt wurden. Es bleibt also spannend!


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