Das mittelalterliche Meisterwerk „Book of Kells“ ist nun vollständig digitalisiert und online

Wer sich für das Mittelalter interessiert, dem bleibt das berühmt-berüchtigte „Book of Kells“ nicht verborgen. Diese illustrierte Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert gilt als überragendes Beispiel für christlich-irische Buchmalerei und gehört seit dem Jahr 2011 zum Weltdokumentenerbe. Jetzt wurde dieses besondere Werk vollständig digitalisiert und online zugänglich gemacht. Der Link zum Buch befindet sich am Ende des Artikels.

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Ein „überragendes Beispiel für christlich-irische Buchmalerei“, Bild: Patrick Lordan

Das Book of Kells ist „einer der größten kulturellen Schätze Irlands“, wie Medievalists.net schreibt. So heißt es ferner: „Es unterscheidet sich von anderen Manuskripten derselben Epoche durch die Qualität seiner Kunstwerke und die schiere Anzahl von Illustrationen, die sich auf den 680 Seiten des Buches befinden.“ Nicht nur Wissenschaftler zieht es nach Dublin, um das Book of Kells zu betrachten. Kaum einer der fast eine Million Besucher, die jedes Jahr in die irische Metropole kommen, lässt sich diese Gelegenheit entgehen.

Heute geht man davon aus, dass das Book of Kells um 806 n. Chr. auf der schottischen Insel Iona verfasst wurde und nach einem Wikingerüberfall in das Kloster Kells in die Grafschaft Meath überführt wurde.

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Im Buch kam es vielmehr auf die intensiven Farben und aufwendigen Darstellungen an, als auf den Inhalt, Bild: Wikimedia Commons

Voller Rechtschreibfehler

Das Buch besteht inhaltlich hauptsächlich aus Abschriften der Evangelien und aus sogenannten „Kanontabellen“. Das Augenmerk wurde jedoch maßgeblich auf die äußerst detailreichen und aufwendigen Illustrationen und weniger auf den Inhalt gelegt. Das Werk diente nicht dem lauten Vorlesen, denn der Text ist zum Teil sehr fehlerhaft, manchmal fehlen ganze Wörter oder es kommt zu unwillkürlichen Wiederholungen. Das Book of Kells war vielmehr ein zeremonielles Objekt.

Christliche und keltische Motive

Die Illustrationen zeigen vor allem biblische Darstellungen, darunter Jesus Christus und Maria. Diese Szenen wurden jedoch im keltischen Stil gemalt. Besonders markant sind die typischen Verzierungen im Spiral- und Flechtwerkmuster, aber auch ornamentale Mensch- und Tiermotive. Es wurden zudem besonders kräftige Farben verwendet, darunter sehr viel Gold, Rot und Blau.

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Eine Komplettansicht des mittelalterlichen Werkes, Bild: Trinity College Dublin

Seit dem 17. Jahrhundert befindet sich das Buch im Trinity College in Dublin. Zuvor hatte es bereits mehrere private Besitzer. Besucher können das mittelalterliche Meisterwerk heute im Museum der Bibliothek betrachten.


Wer sich jedoch Zuhause in Ruhe mit dem Book of Kells beschäftigen möchte, der kann es sich ab sofort hier online ansehen. Viel Spaß bei dieser kleinen Zeitreise!

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