Berliner Museumsinsel: Dutzende Kunstwerke und Artefakte beschädigt

Unbekannte haben 63 Objekte im Pergamonmuseum und anderen Ausstellungen in Berlin mit Öl bespritzt. Medien sprechen von einem „der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke […] in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands“.

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Das Pergamonmuseum zählt jedes Jahr über eine Million Besucher. Benannt wurde das Museum nach der könglichen Residenzstadt Pergamon im Westen der Türkei, die einst nach dem Vorbild Athens errichtet wurde und als Kulturmetropole galt. Bild: Staatliche Museen zu Berlin

Der Vandalismus trug sich angeblich am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit zu. Zu den Schauplätzen gehören unter anderem das Pergamonmuseum, das Neue Museum und die Alte Nationalgalerie. Insgesamt sollen 63 Objekte mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt worden sein. Mittlerweile weiß man, dass es sich wohl um Olivenöl handelt. Dieses hat zum Teil sichtbare Flecken auf ägyptischen Sarkophagen, Steinskulpturen und kostbaren alten Gemälden hinterlassen.

Mehr als zwei Wochen lang wurden weder die Öffentlichkeit noch andere möglicherweise gefährdete Museen informiert. Die Geheimhaltung diente, so das Landeskriminalamt (LKA), der Sicherung der Ermittlungen. Einige Objekte befanden sich gar nicht im Besitz der Museen, sondern wurden lediglich als Leihgaben ausgestellt.

Polizei sucht nach Augenzeugen

Die Polizei ermittelt. Das Motiv des Täters oder der Täter ist bisher völlig unklar. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Polizei haben offiziell bestätigt, dass es Sachbeschädigungen gibt. Laut Medienberichten wurden alle Besucher, die für den 3. Oktober Museumstickets für die betreffenden Aufstellungen erwarben, vom LKA kontaktiert und um Mithilfe gebeten. Die Polizei ist nun auf Augenzeugenberichte angewiesen. Es wird davon ausgegangen, dass die Sachbeschädigungen während der regulären Besucherzeiten stattfanden.

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Ein großer Ölfleck auf dem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum, Bild: dpa

Wie genau das Öl auf die Artefakte gelange ist laut Polzei unklar. Eine Auswertung der Überwachungskameras ergab bisher keine Hinweise. Es könnte eine Wasserpistole, eine Spritzflasche oder sogar eine Clownsblume benutzt worden sein.

Ein Angriff auf Kulturgut

Seit dem Jahr 1999 gehört die Museumsinsel zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ausgerechnet im Oktober dieses Jahres feierte das Pergamonmuseum seinen 90. Geburtstag. Es ist eines der wenigen Museen in Deutschland die jedes Jahr mehr als eine Million Besucher anziehen.

Der Schaden, der durch den Vandalismus verursacht wurde, ist schwer zu schätzen. Es heißt, die Restaurationen werden ihre Zeit brauchen. Laut der Kulturstaatsministerin Monika Grütters richtet sich der Angriff „auch gegen künstlerische Ausdrucksformen, gegen unser aller Kulturerbe, gegen zivile Formen der Auseinandersetzung und so gegen Grundsätze unseres demokratischen Selbstverständnisses“.

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Die Museumsdirektorin Frederike Seyfried zeigt einen Ölfleck auf einem Sarkophag im Ägyptischen Museum, Bild: AFP

Mögliche Verbindung zu Verschwörungsideologen

Die Polizei ermittelt nun in „alle Richtungen“. Es ist möglich, dass Attila Hildmann, der in der alternativen Szene zu einiger Bekanntheit gelangt ist, bei dem Vandalismus auf der Berliner Museumsinsel eine Rolle gespielt haben könnte. Es heißt, Hildmann hätte im August und im September auf seinem öffentlichen Telegram-Kanal kundgegeben, dass sich der „Thron Satans“ im Pergamonmuseum befinde und das Zentrum der „globalen Satanisten-Szene und Corona-Verbrecher“ wäre. Er behauptete ferner: „Hier machen sie nachts ihre Menschenopfer und schänden Kinder“.

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Die rekonstruierte Prozessionsstraße von Babylon, Bild: Pergamonmuseum, Staatliche Museen zu Berlin

Hildmann hielt sogar Kundgebungen auf den Stufen des Alten Museums. Diese wurden von der Versammlungsbehörde jedoch verboten. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz distanzierte sich nachfolgend von diesen Versammlungen.

In der Regel erfolgen solche Angriffe auf Kunstwerke aus Verachtung von Kultur – aus politischen oder religiösen Gründen. Der oder die Täter stellen sich damit auf eine Stufe mit dem IS, der in der arabischen Welt bereits zahlreiche Relikte und kulturelle, sowie religiöse Stätten der Vergangenheit unwiederbringlich zerstört hat.

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Das rekonstruierte Markttor von Milet, Bild: Pergamonmuseum, Staatliche Museen zu Berlin

Bereits im Jahr 2017 wurde eine zwei Zentner schwere Goldmünze aus dem Bode-Museum in Berlin gestohlen. Die Täter wurden gefasst, aber das Artefakt ist bis heute verschwunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Münze zerschlagen und verkauft wurde. Der Wert beträgt mehrere Millionen Euro.

Kurz darauf erneut Vandalismus

Kurz darauf, am 23. Oktober, wurde die Museumsinsel erneut Schauplatz von Sachbeschädigung. Die zwei Männer, die nachts ein großes Graffiti auf die Granitschale vor dem Alten Museum sprühten, wurden jedoch auf frischer Tat ertappt. Ob es einen Zusammenhang zu den anderen Taten gibt, ist noch unklar.

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Laut Augenzeugenberichten, soll sich zum Tatzeitpunkt eine Gruppe von 10-15 Personen neben der Granitschale befunden haben, Bild: dpa

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