Indonesien: Das sind die ältesten Höhlenmalereien des Homo Sapiens

Diese Kunstwerke sind 44.000 Jahre alt und damit bedeutend älter als alle anderen bisher entdeckten Felsmalereien moderner Menschen. Doch ihr Fundort sorgt für Verwunderung.

Älteste Höhlenmalereien moderner Menschen befinden sich in Indonesien, Geschichte, Paläontologie, Steinzeit, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Das ist die bisher älteteste gefundene Felszeichnung der Welt. Diese narrative Szene zeigt die Jagd auf einen Zwergbüffel. Bild: Ratno Sardi, Griffith University

Menschenähnliche Mischwesen, die große Säugetiere jagen – diese oder so ähnliche Darstellungen hielt Homo Sapiens in vielen Teilen der Welt bereits zu grauer Vorzeit auf Höhlenwänden fest. Doch die jüngst entdeckten Felsmalereien sind anders. Diese Kunstwerke in Indonesien wurden auf erstaunliche 44.000 Jahre datiert und sind damit etwa 10.000 Jahre älter als jede andere Jagdszene auf Stein. Viele hätten so alte Höhlenzeichnungen eher in Afrika oder Europa vermutet und nicht auf einer Insel zwischen dem Indischen und Pazifischen Ozean.

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Ein wahrhaftiges Paradies – die indonesische Insel Sulawesi. Bild: wedesigntrips.cpm

Ein einzigartiger Einblick in uralte Gedanken

Die ältesten figurativen Höhlenmalereien moderner Menschen sind laut „The Guardian“ 35.000 Jahre alt. Die älteste jemals gefundene abstrakte Höhlenkunst ist 64.000 Jahre alt und besteht aus Linien, Punkten und tierähnlichen Formen. Diese wurden einst von Neandertalern gemalt.

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In der Höhle in Sulawesi gibt es verschiedenste Kunstwerke unterschiedlichen Alters, aber sie alle erzählen die Geschichte unserer Vorfahren. Bild: Maxime Aubert, Griffith University

Die neuentdeckten kunstvollen Illustrationen gewähren tiefe Einblicke in die früheste Form des Geschichtenerzählens und der Entwicklung der modernen menschlichen Wahrnehmung. Jede Höhlenzeichnung ist einzigartig und vermittelt eine Botschaft.

„Wir waren verblüfft über die Bedeutung dieses Bildes (die Jagdszene). Es war einfach umwerfend, weil es sich hier möglicherweise um die älteste Höhlenkunst auf diesem Planeten handelt.“

Adam Brumm, Archäologe am „Australian Research Centre for Human Evolution“, Griffith University

Ein Zufallsfund

Die Höhlenmalereien wurden bereits 2017 in Süd-Sulawesi in Indonesien entdeckt. Dabei war dieser Fund eigentlich nur ein Zufall. Der betreffende Hohlraum ist Teil eines bereits seit zehn Jahren gut erforschten Höhlensystems. Ganz unvorhergesehen bemerkte ein Expeditionsmitglied eine höhergelegene Kammer und kletterte einen Feigenbaum hoch, um genauer nachzusehen.

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Hinter dieser kleinen hochgelegenen Öffnung im Fels befindet sich die neuentdeckte Kammer. Sie wurde jahrelang übersehen. Bild: Griffith University

„Und dann, Bang, war dort diese unglaubliche Höhlenwand mit zahlreichen Malereien, die im Wesentlichen mit nichts vergleichbar sind, was wir jemals zuvor in der gesamten Region gesehen haben.“

Adam Brumm, Archäologe am „Australian Research Centre for Human Evolution“, Griffith University

Halb Mensch, halb Tier

Unter den Felsmalereien waren auch andere und vor allem jüngere Motive, wie etwa Handabdrücke. Die Szenen von Hybrid-Wesen, die Jagd auf Warzenschweine und Zwergbüffel machen, sind jedoch bedeutend älter. Die Jäger haben menschliche Züge mit einigen tierischen Merkmalen. Ein Körper ist beispielsweise humanoid, besitzt jedoch einen Vogelkopf; ein anderer hat einen Schwanz. Brumm vermutet, dass diese ausßergewöhnlichen Darstellungen eine Art „Mythos“ erzählen und dementsprechend eine tiefergehende religiöse Bedeutung haben.

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Dieser Jäger hat einen menschlichen Körper, aber einen tierischen Kopf. Bild: Ratno Sardi, Griffith University

Wissenschaftler nennen diese Vermischung von menschlichen und tierischen Eigenschaften „Therianthropie“. Solche Hybriden kommen in der Folklore fast jeder modernen Gesellschaft vor. Sie werden in zahlreichen Religionen auf der ganzen Welt als Götter, Geister oder Ahnenwesen verehrt.

„Das Faszinierendste ist, dass alle Schlüsselelemente moderner menschlicher Erkenntnis enthalten sind. Handabdrücke, eine narrative Szene, menschenähnliche Figuren – es wurde etwas erschaffen, was in der realen Welt so gar nicht existiert. Alles das taten die Menschen bereits vor 44.000 Jahren!“

Prof. Maxime Aubert, Archäologe, Griffith University
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Eine Großaufnahme der Höhlenwand mit den bisher ältesten Felszeichnungen der Welt. Bild: Griffith University

Eine komplizierte Altersbestimmung

Die Datierung von Höhlenmalereien ist bis heute ziemlich schwierig. Wissenschaftler verlassen sich hierbei auf die Radiokarbon-Analyse von Mineralien, die über den steinzeitlichen Zeichnungen gewachsen sind. Dabei wird der radioaktive Zerfall von kohlenstoffhaltigem Material ermittelt, was eine Altersbestimmung möglich macht. Die Radiokarbonmethode ergab in diesem Fall ein genaues Alter von 35.100 bis 43.900 Jahren. Die Ergebnisse der Analyse wurden in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

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Maxime Aubert und Albert Brumm. Bild Griffith University

„Es ist einfach unglaublich und zeigt mir, wie viele Höhlenmalereien noch da draußen sind und nur darauf waren entdeckt zu werden und unser Verständnis der menschlichen Geschichte zu verändern.“

Adam Brumm, Archäologe am „Australian Research Centre for Human Evolution“, Griffith University

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