5.000 Jahre alte Hieroglyphen enthüllen eine bisher unbekannte altägyptische Königin

Am Felsenweg im Wadi Ameyra in der Sinai-Wüste wurden rund 60 hieroglyphische Inschriften gefunden. Diese neue Entdeckung enthüllt die Existenz bisher unbekannter altägyptischer Herrscher, darunter eine Frau. Zudem sind manche Technologien und Städte Ägyptens anscheinend deutlich älter als bisher angenommen.

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Das oben abgebildete hieroglyphische Symbol neben einem Gebäude, das aussieht wie ein Stab mit vielen Armen, ist der Name der Königin „Neith-Hotep“, Bild und Zeichnungen von D. Laisney

Die Inschriften berichten von einer Königin namens Neith-Hotep, die vor 5.000 Jahren als Regentin neben dem jungen Pharao Djer regierte. Die Archäologen schätzen, dass die ältesten Hieroglyphen im Wadi Ameyra etwa 5.200 Jahre alt sind und damit eigentlich noch in die Steinzeit fallen. Die jüngsten Hieroglyphen berichten von einem Pharao namens Nebre, der Ägypten vor etwa 4.800 Jahren beherrschte.

Inschriften als Resultat von Bergbauexpeditionen

„Die Inschriften sind wahrscheinlich eine Möglichkeit zu verkünden, dass der ägyptische Staat das Gebiet besaß.“

Pierre Tallet, Professor an der Université Paris-Sorbonne

Prof. Pierre Tallet erzählt weiter, dass südlich des Fundortes Türkis und Kupfer abgebaut wurden. Irgendwann während der Herrschaft von Pharao Nebre änderte sich die Route der Bergbauexpeditionen und führte nun am Wadi Ameyra vorbei.

Eine mysteriöse altägyptische Königin

Vor etwa 5.000 Jahren, lange vor Hatshepsut oder Cleopatra, regierte eine Frau in Ägypten. Sie hieß Königin Neith-Hotep. Anfangs glaubten die Archäologen, dass sie mit einem Pharao namens Narmer verheiratet gewesen war. Die Inschriften widerlegen diese Theorie jedoch.

„Die Inschriften zeigen, dass sie [Neith-Hotep] nicht die Frau von Narmer war, sondern eine Königin zu Beginn der Regierungszeit von Djer.“

Pierre Tallet, Professor an der Université Paris-Sorbonne

„Die weißen Wände“

Die Inschriften im Wadi Ameyra bezeugen, dass Memphis bereits im Alten Ägypten als Hauptstadt fungierte. Also bereits viel früher, als bisher angenommen. Die Stadt Memphis wurde damals auch „Die weißen Wände“ genannt.

Antike griechische und römische Schriftsteller behaupten, die Stadt sei von einem mythischen König namens Menes erbaut worden. Die Ägyptologen vermuteten, dass es sich hierbei um den tatsächlich existierenden Pharao Narmer handeln könnte. Aber die jüngst entdeckten Hieroglyphen beweisen nun, dass die Stadt bereits vor Narmer existiert hat.

„Wir haben im Wadi Ameyra eine Inschrift gefunden, die zum ersten Mal den Namen dieser Stadt, „Die Weißen Wände“, enthält. Sie ist mit dem Namen Iry-Hor verbunden, einem König, der Ägypten zwei Generationen vor Narmer regierte.“

Pierre Tallet, Professor an der Université Paris-Sorbonne

Die Inschriften zeigen, dass die antike Hauptstadt zur Zeit von Iry-Hor bereits bestand. Es ist möglich, dass sie erbaut wurde noch bevor er selbst Pharao wurde.

Altägyptische Boote

Unter den im Wadi Ameyra entdeckten Inschriften befinden sich auch Zeichnungen von Booten. Auf drei dieser Boote entdeckten die Archäologen einen „königlichen Serekh“, ein pharaonisches Symbol, das ein bisschen wie die Fassade eines Palastes aussieht. Der Serekh sieht auf den Booten „wie eine Kabine“ aus, beschreibt Tallet.

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Diese 5.200 Jahre alten Inschriften sind die ältesten im Wadi Ameyra. Sie zeigen ein Boot und eine Auswahl an Tieren, Bild: Prof. Pierre Tallet

In späteren Zeiten wurden diese Boote neben den Pyramiden Ägyptens begraben, wie etwa bei der Pyramide von Gizeh. Laut Tallet sind die Zeichnungen der Boote im Wadi Ameyra „wirklich archaisch und viel älter“ als die, die neben den Pyramiden gefunden wurden.

Der vielversprechende Ausgrabungsort Wadi Ameyra ist erstmals 2012 entdeckt worden. Die Funde wurden kürzlich in dem Buch „La Zone Minière Pharaonique du Sud-Sinaï II“ (Institut Français d’Archéologie Orientale, 2015) präsentiert.


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