4.000 Jahre altes Megalithgrab von Jugendlichen mit Harry Potter-Symbolik besprüht

Wenn Popkultur auf reale Geschichte trifft, geht das nicht immer gut aus: Jugendliche haben ein steinzeitliches Dolmengrab in Vigo (Galicien, Spanien) mit Graffiti besprüht. Auf den Megalithen von La Casa dos Mouros ist ab sofort der Schriftzug „Always <3“ mit Harry Potter-Symbolen zu sehen. Diese Dolmen galten als eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Region.


Harry Potter Fans haben ein 4.000 Jahre altes Steinzeitgrab mit Graffiti besprüht, Bild: Ancient Origins

Betrachtet man das stattliche Alter der Megalithbauten von 4.000 Jahren, schmerzt dieser Akt des Vandalismus umso mehr. Auch wenn es sich bei Harry Potter um eine äußerst beliebte verfilmte Romanreihe handelt, so wurde hier eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte mit Füßen getreten.

Der Bürgermeister Oscar Dominguez nimmt sich diese Angelegenheit jedoch nicht ganz so stark zu Herzen. Zu der Olive Press sagte er:

„Vielleicht kommt J.K. Rowling nun vorbei, um ihren neuesten Spin-Off zu promoten. Auf jeden Fall ist klar, dass das Graffito von einem Amateur in der ‚Magier-Welt‘ gemacht wurde.“

Oscar Dominguez, Bürgermeister von Vigo

Harry Potter Fans haben ein 4.000 Jahre altes Steinzeitgrab mit Graffiti besprüht, Bild: La Voz de Galicia

Die Dolmen von La Casa dos Mouros wurden vor rund 4.000 Jahren, also noch während der Steinzeit errichtet. Das Bauwerk ist noch fast vollkommen erhalten. Es fehlt lediglich der Stein, der einst auf den aufrecht stehenden Trägersteinen lag.

Megalithbauten entstanden in Spanien und in ganz Europa während einer Zeit, als es in diesen Regionen wohl noch keine Schriftsprache gegeben hat. Die Archäologen gehen davon aus, dass sie als Grab dienten, weshalb man die Dolmen auch als solche bezeichnet. Bekräftigt wird diese Theorie dadurch, dass bei dieser Steinzeit-Architektur häufig menschliche Überreste gefunden werden.


Megalitharchitektur in Europa zwischen 4.800 und 1.200 v. Chr., Bild: cromwell-intl.com

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Dolmen und allgemein alle Megalithbauten auch noch einer sekundären Verwendung zugeführt wurden. Nach mehreren Generationen hatten die Menschen die ursprüngliche Bedeutung dieser Architektur mit Sicherheit vergessen. Diese mystischen Orte blieben aber wohl weiterhin Kultorte für Feste und Zeremonien und wurden noch lange nach ihrer Erbauung genutzt.

Die Dolmen von Antequera zählen zu Spaniens erstaunlichsten Megalithbauten. Sie werden auch „Menga-Dolmen“ genannt. Es wird vermutet, dass es sich bei den Architekten um Bauern aus der Jungsteinzeit bzw. der Kupferzeit handelt, die damals um Guadalhorce-Tal lebten. Die Steine mussten über weite Strecken transportiert werden, weshalb sicherlich mehrere Stämme in den Bau der Menga-Dolmen involviert waren. Die Megalithbauten von Antequera sind mindestens 5.000 Jahre alt.


Die Dolmen von Antequera, auch Menga-Dolmen genannt, Bild: visitacostadelsol.com

Die Archäologin Henna Lindström von der Universität Helsinki (Finnland) untersuchte einen interessanten Mythos, der sich um die Dolmen in Spanien rankt. Hierbei geht es um mystische weibliche Wesen, die als Errichter und Bewacher der Megalithbauten gelten.

„Die prähistorischen Europäer erzählten sich Legenden von mächtigen und geheimnisvollen weiblichen Erbauerinnen der europäischen Steingräber, die Dolmen und Cromlechs genannt wurden. Auf der einen Seite galten diese Frauen als Geberinnen von Reichtum, Fruchtbarkeit und fantastischen Geschenken, wie etwa das Bierbrauen und die Landwirtschaft. Als Gegenleistung baten sie lediglich um etwas Milch. Auf der anderen Seite wurden sie auch als wütende Schlangen beschrieben, die von Bullen bewacht wurden, Menschen verfluchten und das Gold der Sonne horteten. Man stellte sie sich als schöne behufte Schlangen- oder Stierfrauen vor, die die Dolmen bewachten, mit den Toten sprachen, mit Sonnenstrahlen weben konnten und sogar unsere Welt erschufen.“

Henna Lindström, Archäologin an der Universität Helsinki, Finnland.

Innenansicht der Menga-Dolmen, Bild: visitacostadelsol.com

Es wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Spuren des jüngsten Vandalismus an den Dolmen von La Casa dos Mouros verschwunden sind. Die steinzeitlichen Erbauer wollten mit den Megalithbauten jedoch etwas erschaffen, was für die Ewigkeit bestimmt ist. Auf diese Weise können wir ihre Kultur noch heute untersuchen und ihr damaliges Verständnis von dieser Welt erforschen. Die Menschen der Steinzeit haben uns viele Zeugnisse von sich hinterlassen.


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