$26 Mio. wert: Seltenes mittelalterliches Gemälde hing jahrelang unbemerkt in einer Küche

Viele kostbare Kunstschätze verdanken ihre Wiederentdeckung einem Zufall. Ein sensationeller Fund aus Frankreich macht jetzt Schlagzeilen.

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Eric Turquin, Experte für alte Kunst, inspiziert den wiederentdeckten Cimabue, Bild: Charles Platiau

Das teuerste mittelalterliche Gemälde, das jemals verkauft wurde

Über der Kochplatte einer alten Frau im Norden Frankreichs hing viele Jahre lang ein Gemälde, dem kaum jemand Beachtung schenkte. Als die 90-jährige Französin beschloss ihr Haus und einige ihrer Habseligkeiten zu veräußern, wurde der wahre Wert dieses unscheinbaren Werkes aufgedeckt. Im Oktober dieses Jahres ist das Stück für 26 Millionen Dollar versteigert worden. Damit ist es das teuerste mittelalterliche Gemälde, das jemals verkauft wurde.

Bei dem sensationellen Fund handelt es sich um das lang verschollene Werk „Der verspottete Christus“ des florentiner Malers Cimabue, auch als Cenni di Pepo bekannt. Das Gemälde wurde auf das Jahr 1280 datiert und gehört zum Altar-Polyptychon „Passion und Kreuzigung Christi“. Zwei weitere Werke, die ursprünglich zu diesem Flügelalter gehörten, sind „Die Geißelung Christi“ (Frick Collection) und „Die Jungfrau mit Kind und zwei Engeln“ (National Gallery). Die identischen Spuren des Larvenbefalls deuten darauf hin, dass alle drei Werke einst zusammengehörten.

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„Die Geißelung Christi“ (links) und „Die Jungfrau mit Kind und zwei Engeln“ (rechts) von Cimabue, 1280, Bilder: Wikimedia Commons

Eine der „bedeutendsten Entdeckungen alter Meister in den letzten 15 Jahren“

Als der Haushalt der alten Frau aufgelöst wurde, übernahm die Auktionatorin Philomène Wolf die Schätzung ihres Besitzes. Wolf war es, die das Gemälde entdeckte und sofort das Potenzial erkannte. Sie konnte das Werk zunächst nicht zuordnen, da es unsigniert war, ging aber davon aus, dass es durchaus eine halbe Million Dollar wert sein könnte.

„Man sieht selten etwas von solcher Qualität“, erklärt sie. „Ich dachte sofort, es sei ein Werk des italienischen Primitivismus. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es ein Cimabue ist.“

Philomène Wolf, Auktionatorin

Wolf wandte sich an den in Paris ansässigen Altmeister Eric Turquin, der schon so manchen Rohdiamanten in der Geschichte der Kunst wiederentdeckt und erfolgreich geschätzt hatte. Turquin konnte letzten Endes alle offenen Fragen beantworten.

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„Der verspottete Christus“ von Cimabue, 1280, Bild: Wikimedia Commons

Und obwohl es sich bei diesem Werk um ein kleines Täfelchen von lediglich 25 x 20 Zentimetern handelt, wurde es am 27. Oktober 2019 im Pariser Auktionshaus Actéon für rund 26 Millionen Dollar verkauft. Acht Interessenten lieferten sich ein intensives Bietergefecht. Am Ende setzte sich der Händler Fabrizio Moretti, der im Auftrag verschiedener Sammler verhandelte, durch. Gegenüber der New York Times berichtet er: „Es ist eine der bedeutendsten Entdeckungen alter Meister in den letzten 15 Jahren“. Momentan ist noch unklar, ob der neue Cimabue eines Tages ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Sein neuer Besitzer ist nicht bekannt.


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