14-Jähriger findet einen der verschollenen „Govan Stones“ aus der Wikinger-Zeit

Schottland: Ein Nachwuchsarchäologe macht vielleicht den größten Fund seines Lebens und lüftet damit Geheimnisse des Mittelalters.

14-Jähriger findet einen der verschollenen „Govan Stones“ aus der Wikinger-Zeit, Geschichte, Mittelalter, Archäologie, Kelten, Schottland, Heidentum, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Der junge Nachwuchsarchäologe Mark McGettigan machte seinen größten Fund vielleicht schon mit 14 Jahren, Bild: Martin Shields

Im 19. Jahrhundert wurden auf einem schottischen Friedhof im Stadtteil Govan, der heute Teil von Glasgow ist, 46 nordisch-keltisch verzierte mittelalterliche Grabsteine aus der Wikinger-Zeit entdeckt. 31 der „Govan Stones“ wurden zur Aufbewahrung in die Kirche gebracht, die restlichen fünf an einer Friedhofsmauer ausgestellt. In den 70er Jahren verschwanden die Steine im Freien. Manche vermuteten, sie seien zerstört worden. Ein erst 14jähriger Schüler fand nun einen der verschollenen Govan Stones und gibt damit einen Hinweis auf den Verbleib der restlichen Steine.

Die Steine wurden auf das 9. bis 11. Jahrhundert datiert. Es ist die Ära der Wikinger auf den britischen Inseln. Zu dieser Zeit überfielen sie das Gebiet um Glasgow. Manche von ihnen siedelten sich sogar dort an. Die Govan Stones sind Sandsteinblöcke, die vorwiegend als Grabsteine dienten. Sie sind reich mit nordisch-keltischen Symbolen verziert und sollten die Gräber wichtiger Persönlichkeiten schmücken. Ein Steinblock wurde sogar zu einem Sarkophag ausgehöhlt.

14-Jähriger findet einen der verschollenen „Govan Stones“ aus der Wikinger-Zeit, Geschichte, Mittelalter, Archäologie, Kelten, Schottland, Heidentum, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Die fünf sogenannten „Hogback Stones“ – die größten Grabsteine von Govan, Bild: Wikimedia Commons

„Eine Sammlung von internationaler Bedeutung“

Während einer Gemeinschaftsgrabung auf dem Friedhof machte der junge Mark McGettigan womöglich den Fund seines Lebens. Der erst 14-jährige Archäologie-Interessierte, der bei den Ausgrabungen half, stieß während seiner Arbeit auf einen der verschollenen Govan Stones. Zwei professionelle Archäologen halfen dem Jungen, seinen Fund zu bergen und zu analysieren.

„Die Govan Stones ​​sind eine Sammlung von internationaler Bedeutung und diese wiederentdeckten Steine ​​bestätigen, dass Govan ein wichtiges frühmittelalterliches Machtzentrum ist. Es ist die aufregendste Entdeckung, die wir in den letzten 20 Jahren bei Govan hatten“.

Stephen Driscoll, Professor für historische Archäologie an der University of Glasgow

Skandivanische Einflüsse

Diese außergewöhnlichen Objekte haben eine turbulente Zeit hinter sich. Noch bevor Schottland als Nation geboren wurde, kämpften die Einheimischen mit vielen Konkurrenten um die Vorherrschaft auf den britischen Inseln. Im 6. Jahrhundert entstand das Königreich „Strathclyde“, bestehend aus ansässigen Briten, die entlang des Flusses Clyde siedelten. Ihre Hauptstadt Dumbarton wurde jedoch 870 n. Chr. von den Wikingern geplündert. Daraufhin verlagerte das Reich seinen Stützpunkt in das nahegelegene Govan.

14-Jähriger findet einen der verschollenen „Govan Stones“ aus der Wikinger-Zeit, Geschichte, Mittelalter, Archäologie, Kelten, Schottland, Heidentum, Die Vergessene Bibliothek, Anastasia Michailova

Der reich mit nordisch-keltischen Symbolen verzierte Sarkophag von Govan, Bild: Tom Manley

Die zahlreichen nordischen Symbole auf den in Govan gefundenen Grabsteinen untermauern die These, dass das Königreich Strathclyde starke Verbindungen zur skandinavischen Welt hatte. Driscoll hofft nun, dass weitere Ausgrabungen die restlichen Govan Stones zutage fördern werden. Der junge Nachwuchsarchäologe Mark McGettigan kann auf jeden Fall stolz auf sich sein.

„Ich bin sehr glücklich. Ich bin wirklich begeistert von dem, was ich geholfen habe zu entdecken.“

Mark McGettigan, Nachwuchsarchäologe

Unser Buchtipp zum Artikel: „Die Wikinger – Das Zeitalter des Nordens“ hier bei Amazon anschauen: